Pater Pio ist für uns ein großes Vorbild der Marienfrömmigkeit. Ja, sein Leben und seine Hoffnung sind für uns nicht verständlich, wenn wir diesen Aspekt seines Lebens auslassen würden. Es handelt sich dabei nicht um irgendeine Devotion, die er praktizierte, sondern vielmehr um eine innige Beziehung, die ihn von seiner Kindheit bis zu seinem Tod begleitete. Er sagte stets, dass die Gnaden, welche durch sein Gebet erhalten wurden, einzig und allein durch die Vermittlung Mariens möglich gewesen sind und dass deshalb der Dank für die von Pater Pio gewirkten Wunder und Gnaden ihr gebührt. Darin war er ganz katholisch und der Lehre der Väter und Heiligen treu.
Die Heiligen
Wenn wir die Lehre der Heiligen über die Jungfrau Maria betrachten, finden wir einzigartige Bekundungen der großen Macht und Majestät, die die allerseligste Jungfrau auszeichnen. Ein Heiliger zeichnet sich unter anderem dadurch aus, dass er die Tugend zu einem heroischen Grad praktiziert. Doch wenn wir die Lehre der großen Heiligen ansehen, finden wir, dass sie immer auch die Marienfrömmigkeit zu einem besonderen Grad praktiziert und verbreitet haben. Auch Pater Pio reiht sich in diese Liste ein. Er war zugleich ein großer Heiliger und ein großer Verehrer der Jungfrau Maria. Doch warum gibt es diese untrennbare Verbindung zwischen der Marienfrömmigkeit und der Heiligkeit?
Der einzige Weg
Die Antwort auf diese Frage finden wir in der Lehre der Kirche ausgedrückt: „Maria hingegen [im Kontrast zu Eva] schenkte dem Engel Glauben, und da geschah es durch Gottes Huld, daß Segen und Leben über die Menschheit kam.“ (römischer Katechismus) Maria also ist die Begnadete, auf deren Fiat (Mir geschehe) Christus Mensch geworden ist in ihrem reinsten Schoße. Allein Maria wurde vor allen Geschöpfen für würdig befunden, den Gottmenschen neun Monate in ihrem Leib zu tragen, zu ernähren, zu waschen und zu versorgen. Doch diese Verheißung ist keine einmalige. Denn wie die Heiligen einstimmig betonen, hat Gott es so verfügt, dass die allerreinste Jungfrau auch unsere Fürsprecherin sein soll. Dieses Amt übte sie schon hier auf Erden aus: Das „Sie haben keinen Wein.“(Joh 2, 3) bei der Hochzeit zu Kana ist ein gutes Beispiel dafür.
Doch nach ihrer glorreichen Himmelfahrt entfaltet die allerseligste Jungfrau ihre Königsherrschaft, die darin besteht, den Sündern die Gnaden zuzuwenden. Wenn Maria schon auf Erden, so viel Macht hatte, das Heil durch ihr Wort herabzurufen, welche Macht hat sie dann erst im Himmel! Der heilige Petrus Damianus wird vom heiligen Alphonsus zitiert: „Dir ist alle Gewalt gegeben im Himmel und auf Erden, und nichts ist dir unmöglich, die du sogar die Verzweifelnden zur Hoffnung auf das Heil wieder aufrichten kannst.“ (Alphons Maria von Ligouri, Die Herrlichkeiten Mariens) Wir könnten hier auch noch die Lehre des heiligen Bernhard und so vieler Heiliger anführen, doch es genügt, diese Lehre im Gebet „Gedenke“ zu betrachten. Die Worte „Es ist noch nie gehört worden“ drücken die Größe der Macht aus. Es gibt nichts, das wir von ihr erbitten, das sie uns nicht erlangen kann. Alles, worum Unsere Liebe Frau bittet, wird ihr gewährt.
Doch dieses große Privileg ist auch eine Verpflichtung. Wenn nämlich Maria alle Gewalt gegeben ist, so müssen wir sie auch in dieser Funktion und Rolle verehren. Es gibt so viele Gründe, warum wir sie verehren müssen, aber der wichtigste Grund ist, dass sie uns das Heil von Christus erlangt hat. Wenn wir das Heil erlangen wollen, müssen wir also Maria verehren, denn sie ist der sicherste und beste Weg, zu Christus zu gelangen.
Ja, wie könnte es auch anders möglich sein, wenn ja Christus selbst sie zur Mutter erwählt und sich ihr zum Gehorsam verpflichtet hat. Schließlich hat die Mutter immer eine besondere Rolle im Leben ihrer Kinder und eine Autorität über diese. Christus, der in allen Aspekten ein perfekter Sohn ist, respektiert und würdigt dieses Anrecht seiner Mutter, und so hat sie eine einzigartige Macht, die kein anderes Geschöpf haben kann. Wollen wir also Christus wahrhaft finden, so suchen wir ihn bei seiner Mutter, denn dort können wir sicher sein, dass wir aufgenommen werden.
Dieser Lehre der Kirche war Pater Pio schließlich stets treu und er betete unentwegt zur Muttergottes, um all die Gnaden, die seine Schützlinge benötigten. Er hat oft betont, dass er selbst nur ein Bote ist, durch den die Muttergottes wirkt. Er hat sich so gesehen und deshalb sollten wir ihn auch so verehren. Ein großer Heiliger, der für uns zur allerseligsten Jungfrau betet und uns so Gnaden erlangt. Wenn wir ihn im Lichte dieses Prinzips verehren, können wir sicher sein, dass wir seinem Beispiel folgen. Sicherlich ist es gut, zur Muttergottes direkt zu beten, und dieses Gebet sollten wir nie vernachlässigen, aber es hat auch einen besonderen Wert, wenn wir durch einen geliebten Diener unsere Bitten vor unsere Königin tragen lassen.
So bitten wir Pater Pio um seine Fürsprache bei unserer geliebten Mutter und Königin.