Die Heiligung des Tages des Herrn und die Ehrfurcht vor der heiligen Messe
Jeden Tag für Gott heiligen
Das dritte Gebot — „Gedenke des Sabbats: Halte ihn heilig!“ — nahm im Leben von Pater Pio einen zentralen Platz ein. Er beschränkte sich nicht darauf, nur den Sonntag zu heiligen, sondern weihte jeden einzelnen Tag seines Lebens ganz dem Herrn.
Schon als Kind verspürte Pater Pio eine tiefe Anziehung zum geistlichen Leben. Sobald er die Kirchenglocken hörte, unterbrach er sein Spiel, ließ alles stehen und sagte:
„Ich muss mit der Oma in die Kirche gehen.“
Er besuchte jeden Morgen vor der Schule die heilige Messe und nahm jeden Abend an der eucharistischen Benediktion teil. Am Sonntag besuchte er treu den Religionsunterricht seiner Pfarrei. Die Zehn Gebote waren ihm vertraut, und besonders die Bedeutung des dritten Gebotes prägte sich tief in sein Herz ein.
Pater Pio hielt dieses Gebot mit großer Treue und konnte dessen Missachtung nicht ertragen. Unermüdlich versuchte er, in den Seelen Ehrfurcht vor Gott, vor den heiligen Tagen und vor der Liturgie zu wecken.
Pater Pio im Beichtstuhl: Die Ernsthaftigkeit des Messbesuchs
Viele Zeugnisse zeigen, wie sehr Pater Pio darunter litt, wenn Christen die Sonntagsmesse oder die Messe an gebotenen Feiertagen vernachlässigten.
Einer jungen Frau, die aus Angst vor Arbeitsplatzverlust an Sonn- und Feiertagen arbeitete, sagte er eindringlich:
„Es wäre besser gewesen, die Arbeit zu verlieren, als Gott schwer zu beleidigen.“
Nachdem er die Beichte eines Mannes gehört hatte, der seit Jahren nicht mehr zur Messe gegangen war, weinte Pater Pio bitterlich und sagte:
„Die Undankbarkeit der Menschen gegenüber dem höchsten Wohltäter. Was hätte Jesus noch tun können, was Er nicht schon getan hat?“
Als ein Beichtender beiläufig bemerkte: „Ich habe am Sonntag die Messe versäumt“, traten Pater Pio Tränen in die Augen:
„Sie sagen das so leichtfertig.“
Für Pater Pio war die heilige Messe keine bloße Pflicht, sondern die lebendige Begegnung mit dem gekreuzigten und auferstandenen Christus.
Teilnahme an der heiligen Messe mit innerer Sammlung
So wie Pater Pio selbst die heilige Messe feierte und lebte, so wollte er auch seine geistlichen Kinder sehen: aufmerksam, gesammelt und frei von Oberflächlichkeit.
Er war zutiefst überzeugt vom unermesslichen Wert des eucharistischen Opfers und gab deshalb klare Hinweise, wie der Tag des Herrn würdig zu begehen sei.
Die äußere Haltung sollte Ausdruck des inneren Glaubens sein: das Stehen, Knien, Sitzen, das Schweigen und das Gebet – alles sollte von Ehrfurcht getragen sein.
Geistliche Ratschläge von Pater Pio
(Aus einem Brief an Annita Rodote, 1915 – Auszüge)
In einem geistlich tiefen Brief gibt Pater Pio konkrete Hinweise für ein ehrfürchtiges Verhalten im Haus Gottes:
- die Kirche in Stille und mit Ehrfurcht betreten
- das Weihwasser bewusst nehmen und das Kreuzzeichen langsam machen
- vor dem Allerheiligsten Sakrament ehrfürchtig niederknien
- mit kindlichem Vertrauen beten
- große Bescheidenheit in Blicken, Gesten und Worten wahren
- unnötige Ablenkungen vermeiden
- die Kirche gesammelt verlassen, nachdem man den Segen des Herrn erbeten hat
Besonders betont Pater Pio die Bescheidenheit als Tugend, die das Herz formt und hilft, Christus nachzuahmen, der sanftmütig und demütig ist.
Schluss: Die Messe – der lebendige Kalvarienberg
Pater Pio fasste das Geheimnis der heiligen Messe mit eindringlichen Worten zusammen:
„Lasst uns der Messe mit ganzem Herzen beiwohnen, denn sie ist wahrhaft der Kalvarienberg, auf dem Jesus vor den Augen Seines Vaters unsere Erlösung vollbracht hat.
Lasst uns diesen Berg nicht leichten Herzens verlassen, als hätten wir einem gewöhnlichen Schauspiel beigewohnt.
Bereut eure Sünden aufrichtig, aber habt zugleich großes Vertrauen in die göttliche Gerechtigkeit.“
Möge uns das Beispiel von Pater Pio helfen, (jedenfalls) den Tag des Herrn treu zu heiligen und der heiligen Messe mit Liebe, Ehrfurcht und lebendigem Glauben beizuwohnen.