Das Fest Mariä Himmelfahrt ist ein ganz besonderes Fest. Es liegt im Kirchenjahr in einer Zeit außerhalb der großen Festzyklen, mitten im Sommer, am 15. August. Damit wird auch schon die Sonderstellung dieses Festes klar. Wir feiern hier nicht nur ein Marienfest im Sinne, dass wir einen Abschnitt des Lebens der Jungfrau betrachten und verehren, sondern wir verehren hier ein Geheimnis, das unsere Hoffnung auf Mariens mütterliche Fürsprache in besonderer Weise stärkt. Denn die Aufnahme Mariens in den Himmel ist für uns ein besonderer Grund unserer Hoffnung auf die Fürsprache Mariens, die nach vollendetem Lauf ihres irdischen Lebens nun für alle Menschen ihre Fürsprache einlegen kann und so wahrhaft zur Hilfe der Christen geworden ist, weil sie für alle ihre Kinder sorgen kann. Pater Pio war sich dieser Realität durchaus bewusst und hatte deshalb immer eine ganz besondere Verehrung zu diesem Fest, das er immer mit größter Freude beging.
Die Lehre der Kirche
Die Wahrheit, die wir mit diesem Fest feiern, wird von der Kirche als Dogma gehalten und ist damit verpflichtende Glaubenswahrheit der kirchlichen Lehre. Diese Wahrheit wurde von Papst Pius XII. feierlich als Dogma definiert und damit bestätigt, was die Kirche seit Jahrhunderten für wahr hält, nämlich „dass die Unbefleckte, allzeit jungfräuliche Gottesmutter Maria nach Ablauf ihres irdischen Lebens mit Leib und Seele in die himmlische Herrlichkeit aufgenommen wurde.“ (Pius XII.)
Bedeutung für uns
Doch diese Lehre ist besonders für uns von Bedeutung. Denn mit Maria sollen auch wir in den Himmel kommen. Das ist die große Bedeutung dieses Festes. So wie die allerseligste Jungfrau auf Erden Jahrzehnte ausgeharrt hat, um endlich mit ihrem Sohn vereint zu sein, so sind wir hier mit unseren Leiden und Schwierigkeiten, mit der Verlassenheit und Einsamkeit, die dieses Tränental mit sich bringt, und warten auf den Tag, an dem wir endlich ebenfalls in die Seligkeit des Himmels gelangen können.
Die Jungfrau ist uns auf diesem Weg vorangegangen, aber sie lässt uns hier nicht allein. Wie sie es in Fatima gesagt hat: „Mein unbeflecktes Herz wird immer eine Zuflucht für dich sein und der Weg, der dich zu Gott führt.“ Sie bittet unablässig für uns und für die ganze Menschheit. Wir sind als Kinder der Kirche auch ihre Kinder und es ist unvorstellbar, dass uns unsere Mutter hier alleinlassen könnte.
Wir verehren in diesem Fest also den Grund unserer Hoffnung auf die Fürsprache Mariens. Sie wurde aufgenommen, auch damit wir ebenfalls in den Himmel gelangen können.
Pater Pio und die Himmelfahrt Mariens
Pater Pio wiederum hatte eine große Verehrung für dieses Fest und war mit seinem Herzen an diesem Tag immer bei seinem Heimatort Pietrelcina, wo die allerseligste Jungfrau als Muttergottes von den Engeln in seiner Taufkirche besonders verehrt wurde. Er wusste, welche große Bedeutung dieses Fest für die Glorie der Jungfrau, aber auch für ihre Mittlermacht hatte, und freute sich deshalb ganz besonders auf dieses Fest. Er schrieb auch eine schöne Betrachtung über dieses Fest und zeigte damit seine Liebe zur Himmelfahrt Mariens, die auch für ihn Grund zur Hoffnung war.
Einladung zum Gebet
Verehren wir deshalb heute an diesem Festtag ganz besonders den Grund unserer Hoffnung in dem Geheimnis, das für unsere Aufnahme in den Himmel besonders bedeutsam ist. Sie ist uns vorangegangen, damit wir, ihre Kinder, ihr nachfolgen können. Denn wo die Mutter ist, da sollen auch ihre Kinder sein. So ist unsere Hoffnung.
Ich lade Sie deshalb herzlich dazu ein, mit uns die Weihe an unsere liebe Frau zu beten, um Sühne zu leisten für die schrecklichen Lästerungen und Leugnungen ihrer Vorrechte und für die Sünden, die heutzutage so zahlreich begangen werden. So verehren wir sie, die Himmelskönigin, an ihrem Festtag und bringen ihr ein kleines Liebesopfer dar, damit sie uns, wie wir hoffen, auch in den Himmel zu sich holt.