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Maria Anna Josepha Lindmayr, die Retterin Bayerns in schwerer Zeit

Geschrieben von: Tonia Long
Maria Anna Josepha Lindmayr, Karmelitin an der Dreifaltigkeitskirche in München, würde zu den ganz großen Sternen an unserem Heiligenhimmel zählen, wenn nicht durch Zulassung Gottes die Akten des eingeleiteten Seligsprechungsprozesses in Rom verloren gegangen wären. Sie war geboren vor 300 Jahren, am 24. September 1657 als drittes unter fünfzehn Kindern. Ihr Vater war Kammerdiener bei Herzog Max Philipp, einem Sohn des großen Kurfürsten Maximilian I. von Bayern. Von den Eltern hatte sie eine große Liebe zur Frömmigkeit geerbt. Schon als Kind betete sie jeden Samstag den Rosenkranz, später jeden Tag zehn, zwölf und fünfzehn Rosenkränze, oft mit ausgespannten Armen und ganze Nächte hindurch. Dazu gesellten sich Abtötungen und Bußwerke, die uns erschaudern lassen, so daß ihr Beichtvater, ohne dessen Erlaubnis sie nichts tat, einmal sagte, sie müsse wohl von Gott viele Tröstungen empfangen, weil sie in der Abtötung gar nicht müde würde. Ihr sehnlichster Wunsch, Gott im Ordensstand zu dienen, ging trotz dreimaliger Versuche nicht in Erfüllung. So blieb sie, schweren Herzens aber ergeben in Gottes Willen, in der Welt, führte jedoch ein klösterliches Leben in der Welt. Sie durfte sogar in St. Michael die heiligen Gelübde ablegen. Eine außergewöhliche Rolle spielten in ihrem Leben die Armen Seelen. Viele Hunderte durften ihr erscheinen und um Hilfe bitten. Die verlangte Hilfe bestand im heiligen Meßopfer, in der heiligen Kommunion, im Gerauch des Weihwassers, in der Zuwendung von Ablässen, Gebeten und Bußwerken. Immer wurde ihr zu erkennen gegeben: So wie man sündigt, muß man auch büßen. Im Jahre 1699 erhielt sie die Wundmale. Gott ließ es aber zu, daß man es erst nach ihrem Tode merkte. Auch sonst wurde sie mit außerordentlichen Gaben und Gnaden geradezu überhäuft. Oft geriet sie in Ekstase, so daß ihr Leib stundenlang vollständig erstarrt war. Dazu kamen Visionen und besondere Ansprachen Gottes. Auch konnte sie in die Zukunft sehen und in den Seelen lesen. Kein Wunder, daß die Leute scharenweise mit ihren Nöten und Bedrängnissen zu ihr kamen und nie ungeströstet von ihr gingen. – Ihre eigentliche Lebensaufgabe war: Sühne für die Sünden der Welt. “Lösch, Maria Anna, lösch, der Zorn Gottes brennt”, sprach Christus einmal zu ihr. Und sie selbst gesteht: “Die sündige Welt hat mich viel gekostet. Ich habe viel Blut und Tränen ihretwegen vergossen.” Im Auftrage Gottes mußte sie dem Landesfürsten und dem Volk die Strafgerichte Gottes androhen und verkünden, daß Gott die Welt strafen würde, alle Städte, Märkte und Dörfer, alle Häuser und Einwohner nach dem Maß ihrer Sünden, und daß kein Fasten und kein Gebet als Versöhnung angenommen würde sondern nur wahre Besserung des Lebens, die Haltung der Gebote und des Wortes Gottes. Das angekündigte Strafgericht brach bald herein. Im Spanischen Erbfolgekrieg geriet Bayern in größte Bedrägnis, auch München war ernstlich bedroht. Da wurde Maria Anna geoffenbart, die Stadt würde gerettet werden, wenn sie sich durch Gelübde verpflichte, zu Ehren der Heiligsten Dreifaltigkeit eine Kirche zu bauen. Einmütig wurde dieses Gelübde von allen Ständen abgelegt und München blieb auch tatsächlich von den Greueln des Krieges verschont. – Trotz des Widerstandes des Müchener Stadtrates, der keine neuen Schwestern wollte und deswegen sogar beim Kaiser vorstellig wurde, kamen am 16. September 1711 vier Karmelitinnen, darunter die leibliche Schwester der Maria Anna nach München und bezogen das Kloster in der damaligen Rochussstraße neben der Dreifaltigkeitskirche. Und jetzt ging auch der Lieblingswunsch der Gottseligen in Erfüllung: Am 22. Mai 1712, im Alter von 55 Jahren, wurde sie eingekleidet, ein Jahr später legte sie Profeß ab. Im Karmel führte sie nun wirklich das Leben einer Heiligen, bis sie nach unsäglichen Leiden und Heimsuchungen im Alter von 69 Jahren, am 6. Dezember 1726 im Rufe der Heiligkeit und tief betrauert von der ganzen Stadt ihre Seele aushauchte. – Wunderbare, von sechs Ärzten unter Eid bestätigte Erscheinungen an ihrem Leichnam (Wohlgeruch, Biegsamkeit der Glieder, frischfließendes Blut noch zehn Tage nach ihrem Tode), ferner eine Reihe von Gebetserhörungen, Heilungen von Krankheiten usw. veranlaßte die kirchliche Behörde, sofort den Seligsprechungsprozeß einzuleiten. Die Akten hierüber sind, wie schon erwähnt, leider spurlos verschwunden bis zum heutigen Tag. – Nach ihrem Tode schrieb die selige Kreszentia von Kaufbeuren, ihre Schülerin und Vertraute: “Es wird viel Wunderbares geschehen auf ihre Fürbitte. Ruft sie ja recht oft an, wie ich es auch tue!” – Möge Maria Anna Josepha, die große Wohltäterin ihrer Geburtsstadt und des ganzen Landes, auch heute wieder das werden, was sie schon einmal war: Die Retterin Bayerns und vor allem Münchens in schwerer Zeit!

Mit kirchl. Druckerlaubnis – München 1.2.1957 P. Odilo, Prov., 6.2.1957 Prälat S. Irschl, Gen. Vik. i.V.

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