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Liebe und tu, was du willst!  

Geschrieben von: Tonia Long

Vielen Menschen erscheint die christliche Religion als ein Wust von Geboten und Verboten. Sie meinen, die Moralgesetze unterdrückten die Freiheit und hinderten die Selbstentfaltung. Statt des Lichtes Christi sehen sie nur Dunkelheiten, die Frohbotschaft wie eine Drohbotschaft und die Freiheit der Kinder Gottes wie eine Zwangsjacke, die ihnen von der Kirche als ihren Anhängern übergestülpt wird.

Wir haben im durchbohrten Herzen unseres Herrn die Kurzformel unseres Glaubens gefunden. Suchen wir in diesem Herzen auch die Grundregel für unser christliches Leben.

Jesus ist der Mensch voll Heiligen Geistes in einzigartiger Weise, weil er zugleich Gott ist. Tempel des Heiligen Geistes ist Christus wie niemand sonst. Dieser Geist drängt den Sohn Gottes zur Menschwerdung. Er führt ihn durch sein ganzes Erdenleben. In diesem Geiste bringt er ganze Nächte auf dem Berg und in der Einsamkeit zu, um nur für den Vater dazusein. In diesem Geiste horcht er auf den Willen seines Vaters im Gebet, in den Situationen des Alltags und in den Wünschen und Bedürfnissen der Menschen. Keiner kommt in demütiger Haltung zu ihm, der nicht als besserer Mensch wieder fortgeht. Jede Begegnung mit Christus ist ein Gnadengeschenk. In diesem Geiste ringt er sich durch zu seiner Bereitschaft: „Vater, nicht mein, sondern dein Wille geschehe!“ Dieser Geist beseelt sein Leiden und Sterben. Dieser Geist aber ist der Geist der Liebe zwischen Vater und Sohn. Aus ganzem Herzen und aus allen Kräften ist Jesus da für den Vater in diesem Geiste. In ihm liebt er auch die Menschen bis zur Selbstaufgabe und offenbart uns dadurch Gott, der sich an uns in Liebe verströmt.

Das Lebensgesetz Christi ist allein die Liebe. Liebe bedeutet aber auch Freude und Dynamik, und lieben heißt leben und handeln aus dem Kern der Person heraus, mit ganzer Zustimmung und ohne jede Gespaltenheit. So einfach und einheitlich war und ist Jesus, weil er liebt. Sein Herz ist das Zeichen dieser Grundhaltung. „Er ist gut“, sagten die Menschen von ihm. Er ist ein „Mensch mit Herz“.

Nichts hat Jesus den Seinigen häufiger und eindringlicher aufgetragen, als ihn zu lieben und einander zu lieben. Wer ihn liebt, liebt den Vater. Gottes- und Nächstenliebe sind also Gebot Jesu, und beide sind eins. Gott kann nicht von uns erreicht werden vorbei am Bruder und an der Schwester neben uns.

Diese eine zweiflammige Liebe entwickelt ein Gespür dafür, was ihr entspricht und was ihr widerspricht. Sie sucht und forscht, was im Verhältnis zu Gott und den Menschen recht und was unrecht ist.

Sie ist das Motiv, der Erkenntnis entsprechend zu handeln, sie weiß daher auch um das Erbarmen Gottes und gutwilliger Menschen, wenn die Erkenntnis nicht gut genug und die Kraft nicht stark genug war. Sie sucht sich dauernd zu übertreffen und ist ausgerichtet auf das Je-mehr und das Je-bessere. Sie geht nicht auf in behäbiger Ruhe und spießbürgerlicher Mittelmäßigkeit. Liebe besitzt eine radikale Dynamik in sich, sie hört nie auf. Liebe kommt aus dem Herzen. Ein liebender Mensch ist ein Mensch mit Herz. Und so will uns Jesus. In der Liebe liegt die Erfüllung aller Gebote beschlossen.

Zwei Beispiele dafür seien angeführt: Wer Christus liebt, wird seinen Wunsch, Eucharistie zu feiern, erfüllen: „Tut dies zu meinem Gedächtnis“. Vor allem an Sonn- und Feiertagen bekennt sich der, der Christus liebt, zur Gemeinschaft der Christen, so wie sie nun einmal ist: mit ihren Begnadigungen und guten Werken, mit ihren Schwächen und ihrem menschlichen Versagen. Dieser Christ steht in der Kirche, er steht zur Kirche, dem Ort der Gottes- und Nächstenliebe.

Wer liebt, lebt keusch oder ringt darum, es zu werden. Er bewahrt sich für Gott und den Menschen, mit dem er in der Ehe verbunden durch das Leben geht. Wachstum in der Liebe bedeutet auch tiefere Einsicht in die Heilspläne Gottes mit der Welt und den Menschen. Will man also erfahren, was christliche Existenz und Lebensweise entspricht, so vermag darüber nicht nur die vom Glauben erleuchtete Wissenschaft der Moraltheologen Auskunft zu geben, sondern auch das vom Geist der Liebe ergriffene Herz eines einfachen Menschen. Es besitzt den übernatürlichen Glaubenssinn und einen eingegossenen Instinkt für den Willen und Wunsch des Herrn.

So ist christliches Leben einfach und unkompliziert, wenngleich vielfach verbunden mit dem mühsamen Schleppen eines schweren Kreuzes. Verkomplizierung ist weithin ein Zeichen von seelischer Krankheit oder Mangel an Liebe.

Als Lebensregel kann wirklich das kurze Wort des heiligen Augustinus gelten:

„Liebe und tu, was du willst!“

 

Quelle: Auf den schauen den sie durchbohrt haben – Hans Brinkmann – Johannes-Verlag Leutesdorf am Rhein

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