
Falle nicht, Gott, aus deinem Gleichgewicht.
Auch der dich liebt und der die Angesicht
erkennt im Dunkel, wenn er wie ein Licht
in deinem Atem Schwankt – besitzt dich nicht.
Und wenn dich einer in der Nacht erfasst,
sodass du kommen musst in sein Gebet:
Du bist der Gast,
der wieder weitergeht.
Wer kann dich halten, Gott? Denn du bist dein.
Von keines Eigentümers Hand gestört,
so wie der noch nicht ausgereifte Wein,
der immer süßer wird, sich selbst gehört.
Rainer Maria Rilke
Quelle: Einkehr für die Seele – St. Benno-Verlag, Leipzig