In unserer eher ruhelosen Welt, mit Terminen und mit Sorgen belastet, ist das Gebet nicht einfach eine Pflicht, sondern Begegnung mit Gott. Dort legt sich der Lärm unseres Herzens, und wir lernen, mit Seinen Augen zu sehen. Der Friede Gottes – von dem der Apostel Paulus sagt, dass er „alles Verstehen übersteigt“ (Philipper 4,7) – ist nicht die Abwesenheit von Schwierigkeiten, sondern die Gegenwart Gottes mitten in ihnen. Wer regelmäßig betet, lebt nicht sorgenfrei, aber er lebt getragen. Das Gebet lenkt unseren Blick hin zu Christus, der allein unserem Herzen wahren Frieden schenken kann.
Ein Impuls, um in der Ferienzeit etwas mehr Gebetszeit zu nehmen.
Einfach ein betender Mönch
Pater Pio sagte zu seinen geistlichen Kindern: Die Menschen suchen Gott in Büchern; aber gefunden wird Er im Gebet.
Weiter sagte er: Wenn heute viele nicht glauben, dann deshalb, weil niemand mehr betet. Gott findet man nicht in Büchern, sondern im Gebet. Je mehr du betest, desto stärker wird dein Glaube, und desto mehr wirst du Gott finden. Meine Kinder, vernachlässigt niemals das Gebet. Betet oft im Laufe des Tages. Nehmt euch auch Zeit für die Betrachtung. Dann werdet ihr Gott finden und Ihn erkennen.
Oft sagte Pater Pio auch: Das Gebet ist Brot und Leben für die Seele. Es lässt das Herz aufatmen. Es ist eine innige und anhaltende Begegnung mit Gott.
Die Heilige Schrift ist voller Menschen, die mit ihrem Schöpfer im Gespräch standen. Jesus selbst betete und forderte auch uns zum Gebet auf. Die ersten Christen waren als Männer und Frauen des Gebets bekannt.
Wirkliches Gebet verlangt Sammlung
Wer ganz von seinen Sorgen, Ängsten und Beschäftigungen eingenommen ist, kann nicht ohne innere Vorbereitung beten. Es braucht Zeit, um zur Ruhe zu kommen und das Herz auf Gott auszurichten.
Ebenso braucht Gebet Ausdauer
Man kann nicht in wenigen Sekunden wirklich beten. Es dauert, bis der Mensch nach innen findet. Allzu oft beginnen wir zu beten und hören schon wieder auf, weil uns etwas anderes dringlich erscheint. Doch sobald wir das Gebet verlassen, verliert sich oft auch die innere Verbindung zu Gott.
Beten heißt lieben
Wir dürfen uns nichts vormachen: So wie es keine wahre Liebe ohne Opfer gibt, gibt es auch kein echtes Gebet ohne Devotion. Denn beten heißt lieben. Wer Gott liebt, betet. Wer zu Gott lediglich Worte sagt, betet noch nicht wirklich.
Wenn ein Mensch Gott liebt, wird sein ganzes Leben zum Gebet. Jeder Augenblick kann zu einer Begegnung mit Ihm werden. Wer liebt, denkt unaufhörlich an den Geliebten und möchte bei ihm sein. Deshalb strömt das Herz über – in Lobpreis, Dankbarkeit, guten Werken und stiller Liebe.
Für Pater Pio war das Gebet seine tägliche Nahrung. Einige Jahre vor seinem Tod sagte er:
„Ich möchte nichts anderes sein als ein betender Mönch.“
So erinnern wir uns an ihn: am Altar, im Chorgestühl, kniend im Gebet, im Beichtstuhl – und fast immer mit dem Rosenkranz in den Händen.
Am 1. November 1913 schrieb Pater Pio an seinen geistlichen Begleiter, Pater Benedetto:
Wenn ich bete, verliert sich meine Seele ganz in Gott. Manchmal verzehrt sie sich vor Liebe zu Ihm. Ich spüre in meiner Seele die brennende Sehnsucht, aus diesem Leben gelöst zu werden. Die Zeit vergeht so schnell – nie bleibt genügend Zeit zum Beten.
Für ihn bedeutete Gebet, sich in Gott zu verlieren, sich selbst zu vergessen, um sich in Gott wiederzufinden; sich aus Liebe zu Gott hinzugeben und sich nach vollkommener Gemeinschaft mit Ihm zu sehnen. Im Gebet ließ er die Grenzen der Zeit hinter sich, um an einer Wirklichkeit teilzuhaben, die über die Zeit hinausreicht.
Das Gebet ist für das tägliche Leben unentbehrlich. Genau dazu ruft uns die Mutter Gottes seit Jahrhunderten auf. Pater Pio hörte auf ihre Mahnungen und setzte sie treu um. So wurde er für uns alle ein Lehrer des Gebets – nicht weil er darüber Vorträge hielt oder Kurse besuchte, sondern weil er selbst in großer Demut betete.
Unsere wirksamste Waffe
Er sagte: Wenn ihr durch Zweifel, Angst, Schmerz oder Traurigkeit entmutigt seid, dann nehmt eure Zuflucht zum Herrn im Gebet. Dort werdet ihr Halt und neuen Mut finden.
Und: Das Gebet ist unsere wirksamste Waffe; es ist der Schlüssel, der das Herz Gottes öffnet.
Pater Pio gründete Gebetsgruppen
Zu ihnen sagte er: Wenn ihr meine Kinder seid, dann bleibt mit mir verbunden. Gemeinsam wollen wir dem Auftrag Jesu und dem Wunsch des Papstes entsprechen und miteinander beten. Wo meine Kinder sich zum Gebet versammeln, dort ist Jesus mitten unter ihnen, und auch seine Mutter ist im Geist gegenwärtig und betet mit ihnen.
Das Gebet ist niemals Selbstzweck. Wenn Beten Begegnung mit Gott bedeutet, dann muss diese Begegnung unser Leben verändern. Sie soll uns zu Zeugen des Evangeliums machen – in unseren Familien und in der Welt. Sie soll Quelle der Freude, der Güte, der Liebe und des Friedens werden.
Pater Pio sagte immer wieder:
Wenn ihr meine Kinder seid, dann betet abends gemeinsam als Familie und betet miteinander den heiligen Rosenkranz zur Ehre der Muttergottes.
Pater Pio kennenzulernen heißt, die Liebe Gottes zum Menschen und die Liebe eines Menschen zu Gott kennenzulernen. Von ihm können wir lernen, echte Christen zu sein und zu verstehen, dass das Gebet immer zur tätigen Liebe führen muss. Denn ohne Gebet gibt es keine wahre Liebe.
Jesus selbst sagt: „Ohne mich könnt ihr nichts tun.“
Nur wenn wir in Gemeinschaft mit Ihm leben, werden unsere Werke fruchtbar. Nur Gott kann uns lehren zu lieben. Gott ist die Liebe, und wahre Liebe findet ihren Ursprung allein in Ihm.
Das Gebet strahlt Liebe aus
Eine geistliche Tochter Pater Pios hatte eines Tages, halb im Schlaf, eine Vision. Sie sah hoch am Himmel einen Priester in prächtigen liturgischen Gewändern. Als sie sein Gesicht erkannte, sah sie, dass es Pater Pio war. Er wurde leuchtend wie die Sonne, und von ihm gingen unzählige Lichtstrahlen in alle Richtungen aus. Diese Strahlen bestanden aus kleinen weißen und roten Rosen.
Als sie Pater Pio nach der Bedeutung fragte, antwortete er:
„Die Rosenstrahlen sind die Gebetsgruppen, die überall auf der Welt entstehen. Die weißen Rosen stehen für jene Seelen, die danach streben, in der Gnade Gottes zu leben, von Ihm geliebt zu werden und brüderliche Liebe zu üben. Die roten Rosen stehen für jene Seelen, die das Kreuz des Leidens freudig tragen und vereint mit Jesus und mit mir an der Bekehrung der Sünder und am Heil unserer Brüder und Schwestern mitwirken.“
Das ist es, was Pater Pio von jedem von uns erhofft.
Wir sind berufen, Rosen zu werden – weiße oder rote Rosen, aber in jedem Fall Rosen, die den Duft des Gebets und der Liebe verbreiten.
Pater Pio ist bei uns und wird uns nicht verlassen. Doch unsere Antwort kann er uns nicht abnehmen. Er hat seinen Teil erfüllt – nun liegt es an uns, den unseren zu tun.
Quelle: von P. G. Biacamelli (aus Il Cuore di Padre Pio*)*, pamphletstoinspire