In meiner Seele spüre ich nur diesen schrecklichen Schmerz des Verlustes, dass Gott mich nicht will – dass Gott nicht Gott ist – dass Gott nicht existiert. Ich finde keine Worte, um die Tiefe dieser Dunkelheit auszudrücken. — Mutter Teresa
Die Flamme intensiver Liebe die Pater Pio auch erspürte, steht in starkem Kontrast zu der „Feuerprobe“, von der wir heute lesen werden. Dies ist kein tröstendes Feuer, sondern es stellt eine dunkle Nacht seiner Seele dar. Und was ist die Ursache? Pater Pio sah viele Menschen, die sich von ihrem Glauben abwandten, und er sagt uns, dass dies eine geistliche Dunkelheit in seiner Seele verursachte!
Die dunkle Nacht der Seele
Nur zwei Tage nach Ostern, am 20. April 1914, verspürte das Herz von Pater Pio eine tiefe geistliche Leere, ein Gefühl, von Gott verlassen zu sein. Auch wenn es uns seltsam erscheinen mag, ist dies für viele Heilige ein normaler Teil des Weges zu einer vertieften Glaubensbeziehung und Verbindung mit Christus. Wie wir aus dem obigen Zitat sehen, durchlebte auch Mutter Teresa eine dunkle Nacht der Seele.
Werfen wir einen genaueren Blick auf die Kämpfe, denen sich Pater Pio in diesen dunklen Nächten stellen musste, aus einem Brief an Padre Agostino vom 20. April 1914:
Mein innigst geliebter Vater. Ich verberge nicht vor dir, dass es mein Herz schmerzt zu sehen, wie so viele Seelen von Jesus abfallen, … viele von Gott entfremdet sind, einzig weil ihnen das göttliche Wort fehlt. Die Ernte ist groß, aber der Arbeiter sind wenige.
Wer wird also die Ernte auf den Feldern der Kirche einbringen, wenn sie beinahe reif ist? Wird sie wegen des Mangels an Arbeitern auf dem Boden verstreut werden? Wird sie von den Gesandten Satans eingeholt werden, die leider zahlreich und äußerst tätig sind? Ach, möge der gütigste Gott dies niemals zulassen. Möge er Mitleid haben mit der Armut der Menschen, die immer größer wird.
Lasst uns für die Sache der heiligen Kirche, unserer zärtlichsten Mutter, beten; wir müssen uns für dieses Ziel Gott ganz weihen und opfern und zugleich weiter warten und hoffen. … Es ist tiefe Nacht für meine Seele. Die ganze Hölle ist gegen sie entfesselt mit grottenartigem Gebrüll, mit allem Bösen ihres vergangenen Lebens, und – was am erschreckendsten ist – meine eigene Fantasie und Einbildung scheinen sich gegen meine Seele verschworen zu haben. Die schönen Tage im Schatten des Herrn sind meinem Gedächtnis völlig entschwunden. Die geistige Qual, die ich erdulde, ist so groß, dass ich sie kaum von den schrecklichen Schmerzen der Verdammten in der Hölle unterscheiden könnte. Diese Qual dauert nicht lange, und sie könnte es auch nicht, denn wenn meine Seele sie überlebt, dann nur durch eine besondere Gnade Gottes.
Solange wir leben, werden wir elenden Sterblichen dieses Geheimnis der Allmacht Gottes niemals durchdringen können. … Dies ist ein Geheimnis, in das ich nicht eindringen durfte. Unter den vielen Prüfungen, denen mich der himmlische Vater unterzogen hat, ist dies die schwerste. Es ist eine Feuerprobe, aber von einem ganz anderen Feuer als unserem materiellen Feuer. Diese beiden Arten von Feuer haben jedoch eine Eigenschaft gemeinsam: ihre Fähigkeit, alles zu zerstören und zu verzehren, was der freien Verwirklichung ihres Zieles entgegensteht. (Briefe I, 522)
Betrachtung
Pater Pio gebrauchte das Bild von der Ernte und dem Mangel an Arbeitern, um die Dringlichkeit der geistlichen Krise in der Kirche und die Notwendigkeit, Seelen zu retten, auszudrücken. Er erkannte einen Rückgang des Glaubens im Volk und führte die Krise auf die unruhigen Ereignisse in Europa während des Ersten Weltkriegs zurück. Die beunruhigende Atmosphäre des Krieges erfüllte die Menschen mit Angst, sodass einige sogar Gott für den Krieg verantwortlich machten.
Inmitten dieser Herausforderungen durchlebte Pater Pio Zeiten geistlicher Dunkelheit. Der Teufel bedrängte ihn unaufhörlich mit Zweifeln. Doch Pater Pio wusste, dass der Herr ihn niemals verlassen würde. Er brachte seine Dankbarkeit gegenüber Gott zum Ausdruck, der ihn in diesen schweren Momenten aufrechterhielt. Für ihn waren diese dunklen Nächte tatsächlich Zeiten der Reinigung. Diese Feuerprobe erlaubte es ihm, sein altes Selbst abzulegen, und schuf Raum dafür, dass der Geist in ihm wirken konnte: Eifer für das Heil der Seelen.
Es ist tiefe Nacht für meine arme Seele. Es ist ein Geheimnis, in das ich nicht eindringen durfte. (Briefe I, 522)
Christus, mein Erlöser …
…wenn wir Pater Pio durch diese dunkle Nacht der Seele begleiten, wollen wir daran denken, dass am Ende dieses Weges die Osterfreude steht. Amen.
Schließen wir diese Zeit der Betrachtung und des Gebets mit einem Vaterunser, einem Gegrüßet seist du Maria und einem Ehre sei dem Vater ab.
Quelle: Carry the Cross with Padre Pio, Susan de Bartoli