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Die tägliche Gewissenserforschung – kleine Übung mit großer Wirkung

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Die tägliche Gewissenserforschung – kleine Übung mit großer Wirkung Der Sommer, insbesondere die Sommerferien, verändert den Rhythmus unseres Lebens. Die vertrauten Abläufe des Alltags treten zurück, Termine werden weniger, der Tagesplan lockerer. Was zunächst nach Freiheit aussieht, erweist sich jedoch nicht selten als eine gewisse Unordnung. Gerade dort, wo feste Gewohnheiten wegfallen, entsteht eine Leerstelle, die sinnvoll gefüllt werden will. Vielleicht liegt gerade hierin eine geistliche Chance. Denn immer dann, wenn vertraute Strukturen aufbrechen, fällt es leichter, eine neue Gewohnheit einzuüben. Eine der ältesten und zugleich fruchtbarsten Übungen christlicher Spiritualität ist die tägliche Gewissenserforschung – das sogenannte Examen. Sie beansprucht nur wenige Minuten vor der Nachtruhe und vermag doch das geistliche Leben nachhaltig zu prägen. Ein Jahrhunderte alte Übung Diese Übung ist keineswegs eine neuere Erfindung. Bereits die Wüstenväter hielten tägliche Rückschau auf ihr Leben. Der heilige Augustinus empfiehlt sie ebenso wie der heilige Ignatius von Loyola, der ihr einen zentralen Platz in seinen Geistlichen Übungen einräumt. Auch der heilige Josefmaria Escrivá betrachtete die tägliche Gewissenserforschung als unentbehrliches Hilfsmittel für alle Christen, die Gott mitten im gewöhnlichen Alltag begegnen wollen. Ihre biblische Grundlage findet sich bereits im Psalter: Ich denke an Dich auf nächtlichem Lager und sinne über Dich nach, wenn ich wache (vgl. Ps 63,7). Der Gläubige lernt, den Tag nicht einfach verstreichen zu lassen, sondern ihn im Licht Gottes zu betrachten. Leo XIV In diesem Sinne ermutigte auch Papst Leo XIV. zum Jahreswechsel die Gläubigen, auf das vergangene Jahr zurückzublicken, Gottes Wirken dankbar wahrzunehmen, die eigene Antwort auf seine Gnaden zu prüfen und ihn um Vergebung für alle Versäumnisse zu bitten. Was für den Rückblick auf ein Jahr gilt, lässt sich ebenso auf jeden einzelnen Tag anwenden. Göttliche Barmherzigkeit Allerdings wird die Gewissenserforschung bisweilen missverstanden. Sie ist keine grobe Selbstanklage und kein geistlicher Gerichtssaal. Ebenso wenig dient sie dazu, sich in Fehlern oder Versäumnissen zu verlieren. Christliche Gewissenserforschung geschieht stets im Vertrauen auf die Barmherzigkeit Gottes. Der Apostel Johannes erinnert uns daran: Wenn unser Herz uns verurteilt – Gott ist größer als unser Herz und Er weiß alles (1 Joh 3,20). Wer seinen Tag vor Gott betrachtet, tut dies im Bewusstsein, bereits von Ihm geliebt zu sein. Der Ablauf ist einfach Am Beginn steht die Vergegenwärtigung der Gegenwart Gottes. Ein kurzes Gebet zum Heiligen Geist genügt: „Komm, Heiliger Geist, erleuchte mein Herz und lass mich diesen Tag mit Deinen Augen sehen.“ Dann richtet sich der Blick zunächst auf die empfangenen Gnaden. Wofür kann ich heute danken? Welche Begegnungen, welche Freuden oder welche Hilfen hat Gott mir geschenkt? War es ein gutes Gespräch, eine bewahrte Geduld in einer schwierigen Situation oder ein Augenblick stiller Freude. Erst danach folgt die eigentliche Rückschau auf den Tag. Wo habe ich aus der Liebe Christi gelebt? Wo habe ich versagt? War ich aufmerksam gegenüber meinen Mitmenschen? Habe ich Gott im Laufe des Tages Raum gegeben oder mich ausschließlich von den Anforderungen des Alltags treiben lassen? Diese Fragen verlangen Ehrlichkeit, aber keine Unruhe. Nicht Selbstanklage ist das Ziel, sondern die Wahrheit, die zur Umkehr führt. Reue Aus dieser Betrachtung erwächst sodann die Reue über das eigene Versagen und die Bitte um Vergebung. Vorsatz Daran schließt sich ein konkreter Vorsatz für den kommenden Tag an. Gerade hierin liegt eine besondere Stärke dieser Übung. Ein allgemeiner Wunsch, künftig besser zu leben, bleibt meist folgenlos. Ein kleiner, klar formulierter Vorsatz dagegen lässt sich tatsächlich verwirklichen – etwa geduldiger zuzuhören, ein unfreundliches Wort zu vermeiden oder den Tag mit einem kurzen Morgengebet zu beginnen. Alles unter dem schützenden Mantel der Mutter Gottes Den Abschluss bildet die vertrauensvolle Hingabe an die selige Jungfrau Maria. Unter ihrem Schutz legen wir den vergangenen Tag in Gottes Hände und erwarten den neuen Morgen. Die tägliche Gewissenserforschung beansprucht kaum mehr als drei bis fünf Minuten. Dennoch gehört sie seit Jahrhunderten zu den bewährtesten Mitteln geistlichen Wachstums. Sie schärft den Blick für das Wirken der Gnade, fördert die Dankbarkeit, macht auf verborgene Schwächen aufmerksam und hilft, Schritt für Schritt im geistlichen Leben voranzukommen. Sommer Gerade die Sommerzeit bietet sich an, mit dieser Gewohnheit zu beginnen. Wo der Alltag weniger dicht gefüllt ist, fällt es leichter, einige Minuten der Sammlung einzuplanen. Ist diese Übung einmal zur festen Gewohnheit geworden, wird sie auch den Anforderungen des übrigen Jahres standhalten. Das christliche Leben vollzieht sich nicht in großen Sprüngen, sondern in der Treue zum Kleinen. Tag für Tag schenkt Gott dem Menschen einen neuen Anfang. Die tägliche Gewissenserforschung hilft, diesen Anfang bewusst anzunehmen und im Vertrauen auf Gottes Erbarmen immer wieder neu aufzubrechen. Vielleicht hat der Sommer den gewohnten Rhythmus unseres Lebens verändert. Nutzen wir diese Gelegenheit, um einer alten geistlichen Übung einen festen Platz in unserem Alltag zu geben. Oft sind es gerade die kleinen, treu gelebten Gewohnheiten, durch die Gott das Herz des Menschen am tiefsten verwandelt. Quelle: inspiriert von National Catholic Register, the quiet potential of the daily examen, Andrea Picciotti-Bayer

Der Sommer, insbesondere die Sommerferien, verändert den Rhythmus unseres Lebens. Die vertrauten Abläufe des Alltags treten zurück, Termine werden weniger, der Tagesplan lockerer. Was zunächst nach Freiheit aussieht, erweist sich jedoch nicht selten als eine gewisse Unordnung. Gerade dort, wo feste Gewohnheiten wegfallen, entsteht eine Leerstelle, die sinnvoll gefüllt werden will.

Vielleicht liegt gerade hierin eine geistliche Chance.

Denn immer dann, wenn vertraute Strukturen aufbrechen, fällt es leichter, eine neue Gewohnheit einzuüben. Eine der ältesten und zugleich fruchtbarsten Übungen christlicher Spiritualität ist die tägliche Gewissenserforschung – das sogenannte Examen. Sie beansprucht nur wenige Minuten vor der Nachtruhe und vermag doch das geistliche Leben nachhaltig zu prägen.

Ein Jahrhunderte alte Übung

Diese Übung ist keineswegs eine neuere Erfindung. Bereits die Wüstenväter hielten tägliche Rückschau auf ihr Leben. Der heilige Augustinus empfiehlt sie ebenso wie der heilige Ignatius von Loyola, der ihr einen zentralen Platz in seinen Geistlichen Übungen einräumt. Auch der heilige Josefmaria Escrivá betrachtete die tägliche Gewissenserforschung als unentbehrliches Hilfsmittel für alle Christen, die Gott mitten im gewöhnlichen Alltag begegnen wollen.

Ihre biblische Grundlage findet sich bereits im Psalter: Ich denke an Dich auf nächtlichem Lager und sinne über Dich nach, wenn ich wache (vgl. Ps 63,7). Der Gläubige lernt, den Tag nicht einfach verstreichen zu lassen, sondern ihn im Licht Gottes zu betrachten.

Leo XIV

In diesem Sinne ermutigte auch Papst Leo XIV. zum Jahreswechsel die Gläubigen, auf das vergangene Jahr zurückzublicken, Gottes Wirken dankbar wahrzunehmen, die eigene Antwort auf seine Gnaden zu prüfen und ihn um Vergebung für alle Versäumnisse zu bitten. Was für den Rückblick auf ein Jahr gilt, lässt sich ebenso auf jeden einzelnen Tag anwenden.

Göttliche Barmherzigkeit

Allerdings wird die Gewissenserforschung bisweilen missverstanden. Sie ist keine grobe Selbstanklage und kein geistlicher Gerichtssaal. Ebenso wenig dient sie dazu, sich in Fehlern oder Versäumnissen zu verlieren. Christliche Gewissenserforschung geschieht stets im Vertrauen auf die Barmherzigkeit Gottes.

Der Apostel Johannes erinnert uns daran: Wenn unser Herz uns verurteilt – Gott ist größer als unser Herz und Er weiß alles (1 Joh 3,20). Wer seinen Tag vor Gott betrachtet, tut dies im Bewusstsein, bereits von Ihm geliebt zu sein.

Der Ablauf ist einfach

Am Beginn steht die Vergegenwärtigung der Gegenwart Gottes. Ein kurzes Gebet zum Heiligen Geist genügt: „Komm, Heiliger Geist, erleuchte mein Herz und lass mich diesen Tag mit Deinen Augen sehen.“

Dann richtet sich der Blick zunächst auf die empfangenen Gnaden. Wofür kann ich heute danken? Welche Begegnungen, welche Freuden oder welche Hilfen hat Gott mir geschenkt? War es ein gutes Gespräch, eine bewahrte Geduld in einer schwierigen Situation oder ein Augenblick stiller Freude.

Erst danach folgt die eigentliche Rückschau auf den Tag. Wo habe ich aus der Liebe Christi gelebt? Wo habe ich versagt? War ich aufmerksam gegenüber meinen Mitmenschen? Habe ich Gott im Laufe des Tages Raum gegeben oder mich ausschließlich von den Anforderungen des Alltags treiben lassen?

Diese Fragen verlangen Ehrlichkeit, aber keine Unruhe. Nicht Selbstanklage ist das Ziel, sondern die Wahrheit, die zur Umkehr führt.

Reue

Aus dieser Betrachtung erwächst sodann die Reue über das eigene Versagen und die Bitte um Vergebung.

Vorsatz

Daran schließt sich ein konkreter Vorsatz für den kommenden Tag an. Gerade hierin liegt eine besondere Stärke dieser Übung. Ein allgemeiner Wunsch, künftig besser zu leben, bleibt meist folgenlos. Ein kleiner, klar formulierter Vorsatz dagegen lässt sich tatsächlich verwirklichen – etwa geduldiger zuzuhören, ein unfreundliches Wort zu vermeiden oder den Tag mit einem kurzen Morgengebet zu beginnen.

Alles unter dem schützenden Mantel der Mutter Gottes

Den Abschluss bildet die vertrauensvolle Hingabe an die selige Jungfrau Maria. Unter ihrem Schutz legen wir den vergangenen Tag in Gottes Hände und erwarten den neuen Morgen.

Die tägliche Gewissenserforschung beansprucht kaum mehr als drei bis fünf Minuten. Dennoch gehört sie seit Jahrhunderten zu den bewährtesten Mitteln geistlichen Wachstums. Sie schärft den Blick für das Wirken der Gnade, fördert die Dankbarkeit, macht auf verborgene Schwächen aufmerksam und hilft, Schritt für Schritt im geistlichen Leben voranzukommen.

Sommer

Gerade die Sommerzeit bietet sich an, mit dieser Gewohnheit zu beginnen. Wo der Alltag weniger dicht gefüllt ist, fällt es leichter, einige Minuten der Sammlung einzuplanen. Ist diese Übung einmal zur festen Gewohnheit geworden, wird sie auch den Anforderungen des übrigen Jahres standhalten.

Das christliche Leben vollzieht sich nicht in großen Sprüngen, sondern in der Treue zum Kleinen. Tag für Tag schenkt Gott dem Menschen einen neuen Anfang. Die tägliche Gewissenserforschung hilft, diesen Anfang bewusst anzunehmen und im Vertrauen auf Gottes Erbarmen immer wieder neu aufzubrechen.

Vielleicht hat der Sommer den gewohnten Rhythmus unseres Lebens verändert. Nutzen wir diese Gelegenheit, um einer alten geistlichen Übung einen festen Platz in unserem Alltag zu geben. Oft sind es gerade die kleinen, treu gelebten Gewohnheiten, durch die Gott das Herz des Menschen am tiefsten verwandelt.

Quelle: inspiriert von National Catholic Register, the quiet potential of the daily examen, Andrea Picciotti-Bayer

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