Der Herz-Jesu-Monat lädt uns jedes Jahr dazu ein, die unendliche Liebe Christi zur ganzen Menschheit tiefer zu betrachten. Nur wenige Leben spiegeln diese Liebe so strahlend wider wie das der seligen Schwester Maria vom Göttlichen Herzen (Maria Droste zu Vischering).
Geboren am 8. September 1863 in Münster in einer tief katholischen Familie, wuchs Maria in einer Atmosphäre lebendigen Glaubens auf. Schon in ihrer Kindheit entwickelte sie eine innige Verehrung des Heiligsten Herzens Jesu und verspürte schon früh den Ruf, sich ganz Gott zu weihen. Am Fest der Darstellung des Herrn hörte sie die Worte des Evangeliums: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit deinem ganzen Herzen.“ Da erkannte sie mit großer Klarheit, dass Jesus ihr ganzes Herz besitzen wollte. Später schrieb sie, dass der Herr an jenem Tag ihr Herz für immer erobert habe.
Nach mehreren Jahren der Vorbereitung trat sie 1888 bei den Schwestern vom Guten Hirten ein, wo sie den Namen Schwester Maria vom Göttlichen Herzen erhielt. Von da an widmete sie sich mit mütterlicher Liebe den jungen Mädchen und Frauen, die durch Armut, Elend und die Prüfungen des Lebens verwundet waren. Sie sah nicht nur ihre materiellen Nöte, sondern vor allem die Wunden ihrer Seele. Nach dem Vorbild des Guten Hirten nahm sie sie mit unendlicher Barmherzigkeit auf, überzeugt davon, dass allein das Herz Jesu verwundete Herzen heilen könne. Mit schlichter Einfachheit sagte sie:
„Einzig dem Herzen Jesu schreibe ich die Früchte des Guten zu, das unter diesen jungen Mädchen gewirkt worden ist.“
Im Jahr 1894 wurde sie zur Oberin des Klosters vom Guten Hirten in Porto, Portugal, ernannt. Die Gemeinschaft durchlebte damals eine besonders schwierige Zeit: hohe Schulden, mangelnde Disziplin und zahlreiche Prüfungen. Dank ihres unerschütterlichen Vertrauens in die göttliche Vorsehung, ihrer Tatkraft und ihres Opfergeistes schenkte sie dem Kloster neues Leben. Zugleich verstand sie es, ihre gesellschaftliche Stellung in den Dienst der Ärmsten zu stellen, indem sie Wohltäter gewann, Pflegefamilien fand und Ausbildungsmöglichkeiten für die jungen Frauen eröffnete, die ihrer Fürsorge anvertraut waren.
Einige Jahre später verurteilte sie eine schwere Erkrankung des Rückenmarks dazu, bis an ihr Lebensende ans Bett gefesselt zu bleiben. Doch weit davon entfernt, sich entmutigen zu lassen, brachte sie ihre Leiden großzügig dem Herrn als Opfer dar. Trotz ihrer unaufhörlichen Schmerzen bewahrte sie eine strahlende Freude, einen tiefen inneren Frieden und eine vollkommene Hingabe an den Willen Gottes. Ihre Gegenwart blieb für alle ihre Mitschwestern eine Quelle des Trostes.
Gerade während dieser Zeit des Leidens schenkte ihr der Herr besondere mystische Gnaden. Jesus bat sie eindringlich, Papst Leo XIII. zu ersuchen, die ganze Welt seinem Heiligsten Herzen zu weihen. In tiefer Demut und vollkommenem Gehorsam gegenüber der Kirche richtete sie mehrere Briefe an den Heiligen Vater. Nach sorgfältiger Prüfung entsprach der Papst dieser Bitte und veröffentlichte die Enzyklika Annum sacrum, mit der er die feierliche Weihe der ganzen Welt an das Heiligste Herz Jesu anordnete. Dieser Akt bleibt eines der großen geistlichen Ereignisse der neueren Kirchengeschichte.
Das ganze Leben der Schwester Maria vom Göttlichen Herzen war ein Zeugnis ihrer Liebe zu Jesus. Ihr sehnlichster Wunsch war, dass alle Menschen die unendliche Zärtlichkeit des Herzens des Erlösers entdecken und sich von seiner Barmherzigkeit anziehen lassen. Sie schrieb:
„Ich habe alles verlassen, um Euch bis zum letzten Augenblick meines Lebens zu lieben und allen Menschen die Liebe Eures Allerheiligsten Herzens bekannt zu machen.“
Am 8. Juni 1899, im Alter von nur fünfunddreißig Jahren, gab sie friedlich ihre Seele Gott zurück. Ihr Tod ereignete sich genau in dem Augenblick, als in der benachbarten Kapelle die erste Vesper des Herz-Jesu-Festes begann. Wie ein letztes Zeichen der Vorsehung wurde jene, die ihr ganzes Leben dem Herzen Christi geweiht hatte, am Vorabend dieses großen Hochfestes zu Ihm gerufen.
Am 1. November 1975 sprach Papst Paul VI. sie selig. Bis heute wird sie als eine der größten Apostelinnen der Verehrung des Heiligsten Herzens Jesu angesehen. Ihr Beispiel erinnert uns daran, dass die Heiligkeit aus der innigen Vereinigung mit Christus hervorgeht und sich in einer konkreten, demütigen und barmherzigen Liebe zum Nächsten zeigt.
In diesem Herz-Jesu-Monat lädt uns die selige Schwester Maria vom Göttlichen Herzen ein, unser eigenes Herz weit für das Herz Jesu zu öffnen. Wer sich dieser unendlichen Liebe anvertraut, findet Trost in den Prüfungen, Kraft im Leiden und einen Frieden, den die Welt nicht geben kann. Möge ihr Beispiel uns ermutigen, unser ganzes Leben in die Hände des Herrn zu legen und auch wir Zeugen seiner barmherzigen Liebe zu werden.
Gebet
Barmherziger Gott, Du, der Du der seligen Maria vom Göttlichen Herzen eine glühende Liebe zu Dir und zu allen Menschen geschenkt hast, gewähre uns, ihrem Beispiel nachzufolgen. Lass uns immer tiefer die unendlichen Reichtümer des Heiligsten Herzens Deines Sohnes entdecken, damit wir aus seiner Liebe leben und sie in unserer Umgebung bekannt machen. Durch Christus, unseren Herrn. Amen.
Heiligstes Herz Jesu, erbarme Dich unser!
Unbeflecktes Herz Mariens, bitte für uns!
Selige Maria vom Göttlichen Herzen, bitte für uns!