Ut in omnibus glorificetur Deus – „Damit in allem Gott verherrlicht werde.“ (Regel des heiligen Benedikt, Kap. 57)
„Siehe, wir haben alles verlassen und sind Dir nachgefolgt. Was werden wir dafür erhalten?“ (Mt 19,27). Diese Zeile des Evangelium hilft uns heute um auf das Leben von Pater Pio und auf den heiligen Benedikt von Nursia—dessen Festtag es ist—zu schauen, sowie auf uns selbst.
Diese Frage des Apostels Petrus klingt so menschlich. Wer von uns hätte sie nicht schon einmal gestellt? Wenn es uns passiert dass wir ein Opfer bringen, wenn wir auf etwas verzichten, wenn wir um des Glaubens willen einen Nachteil in Kauf nehmen, dann können wir uns fragen: Hat das alles einen Sinn?
Jesus weist Petrus nicht zurecht. Er verheißt vielmehr denen, die Ihm treu nachfolgen, einen Lohn, der alles Irdische übersteigt. Zugleich macht Er deutlich, dass der Weg zur Herrlichkeit immer durch das Kreuz führt.
Niemand kommt ohne Opfer durchs Leben. Eltern verzichten aus Liebe zu ihren Kindern auf vieles. Ehegatten müssen die Schwächen des anderen (mal abgesehen von den eigenen) mit Geduld tragen. Priester und Ordensleute schenken ihr Leben dem Dienst Gottes und der Kirche. Auch Kranke, Einsame und Alte bringen oft stille Opfer dar, die niemand sieht außer Gott.
Entscheidend ist nicht die Größe des Opfers, sondern die Liebe, mit der es getragen wird. Ein Kreuz, das mit Christus verbunden ist, verliert seinen bitteren Charakter nicht völlig, erhält aber einen tiefen Sinn. Es wird zum Weg der Heiligung und zur Teilnahme am Erlösungswerk unseres Herrn.
Darin begegnen uns heute zwei große Heilige.
Der heilige Benedikt von Nursia verließ die Welt, um Gott allein zu suchen. Aus seinem Leben des Gebetes, der Arbeit und der Treue zur göttlichen Ordnung erwuchs eine geistliche Erneuerung, die ganz Europa geprägt hat. Seine Klöster wurden zu Orten des Glaubens, der Bildung und der christlichen Kultur. Was mit dem stillen Opfer eines einzelnen Mannes begann, wurde zum Segen für unzählige Menschen.
Auch der heilige Pater Pio ging den Weg des Kreuzes. Viele kennen seine außergewöhnlichen Gnaden und Wunder. Weniger bekannt ist, wie viel Leid er geduldig getragen hat. Missverständnisse, Verleumdungen, Einschränkungen seines priesterlichen Wirkens und körperliche Schmerzen nahm er im Vertrauen auf Gottes Willen an. Gerade diese Treue im Leiden machte ihn zu einem wahren Zeugen Christi.
Beide Heilige lehren uns, dass wahre Heiligkeit nicht in außergewöhnlichen Taten besteht, sondern in der täglichen Treue. Gott verlangt von uns nicht das Außergewöhnliche, sondern ein Herz, das Ihm gehört. Wer die kleinen und großen Kreuze des Alltags aus Liebe annimmt, wird innerlich verwandelt.
So dürfen wir heute den heiligen Benedikt und den heiligen Pater Pio um ihre Fürsprache bitten. Sie mögen uns helfen, unsere Prüfungen nicht als Last ohne Sinn zu sehen, sondern als Gelegenheit, Christus ähnlicher zu werden. Denn jedes Opfer, das aus Liebe zu Gott gebracht wird, trägt Frucht – vielleicht verborgen auf Erden, gewiss aber in der Ewigkeit.
Darum wollen wir dem Herrn neu vertrauen. Er lässt keinen Menschen, der Ihm treu dient, ohne Seinen Segen. Schon in diesem Leben schenkt Er den Frieden des Herzens; in der kommenden Welt aber verheißt Er die Fülle des ewigen Lebens. Diese Hoffnung möge uns stärken, damit wir unseren Weg mit Geduld, Freude und im Vertrauen auf Gottes Liebe weitergehen.
Heiliger Benedikt, Vater des abendländischen Mönchtums und Patron Europas, bitte für uns!
Heiliger Pater Pio, treuer Zeuge des Kreuzes und der Barmherzigkeit Gottes, bitte für uns!