Alle Jahre, in denen der Gedenktag des heiligen Jakobus am 25. Juli auf einen Sonntag fällt, begeht die Kirche in Santiago de Compostela ein Heiliges Jakobusjahr (Año Santo Jacobeo). Pilger aus aller Welt machen sich dann auf den Weg zum Grab des Apostels, um dort zu beten, die Sakramente zu empfangen und ihren Glauben zu erneuern.
Das nächste Heilige Jakobusjahr wird 2027 gefeiert. Es bietet eine besondere Gelegenheit, den berühmten Jakobsweg als geistlichen Pilgerweg zu erleben. Wer schon länger davon träumt, nach Santiago de Compostela zu pilgern, findet im kommenden Heiligen Jahr einen besonders schönen Anlass dazu.
Vom Fischer zum Apostel Christi
Der heilige Jakobus, auch Jakobus der Ältere oder Jakobus der Große (lateinisch Jacobus Maior) genannt, war der Sohn des Zebedäus und der Salome sowie der ältere Bruder des Apostels Johannes. Gemeinsam mit ihrem Vater arbeiteten die beiden Brüder als Fischer am See von Gennesaret.
Jesus berief Jakobus und Johannes kurz nach Petrus und Andreas in seine Nachfolge. Ohne zu zögern verließen sie ihr bisheriges Leben und folgten dem Herrn. Von diesem Augenblick an gehörte Jakobus zum engsten Kreis der Apostel.
Einer der engsten Vertrauten Jesu
Mehrfach berichten die Evangelien, dass Jesus nur drei seiner Jünger zu besonders bedeutsamen Ereignissen mitnahm: Petrus, Jakobus und Johannes.
Sie waren Zeugen der Auferweckung der Tochter des Jairus, der Verklärung des Herrn auf dem Berg Tabor und begleiteten Jesus im Garten Getsemani während seiner Todesangst. Auch als Christus auf dem Ölberg über die zukünftigen Ereignisse sprach, gehörte Jakobus zu dem kleinen Kreis der Zuhörer.
Diese besondere Nähe zeigt, welches Vertrauen der Herr in den Apostel setzte.
Ein leidenschaftlicher Charakter
Jesus gab Jakobus und seinem Bruder Johannes den Beinamen „Boanerges“, das heißt „Donnersöhne“. Dieser Name deutet auf ihr temperamentvolles Wesen hin.
Einmal wollten die Brüder Feuer vom Himmel auf ein samaritanisches Dorf herabrufen, weil dessen Bewohner Jesus nicht aufnehmen wollten. Ein anderes Mal baten sie darum, in der Herrlichkeit Christi die Ehrenplätze zu seiner Rechten und Linken einnehmen zu dürfen. Diese Bitte zeugt von großem Eifer, aber auch von (menschlichem) Ehrgeiz. Der Herr wies sie liebevoll zurecht und machte ihnen deutlich, dass wahre Größe im Dienen besteht.
Der erste Apostel, der sein Leben hingab
Jakobus war der erste der Zwölf Apostel, der das Martyrium erlitt. Die Apostelgeschichte berichtet, dass König Herodes Agrippa I. ihn während der Zeit des Paschafestes mit dem Schwert hinrichten ließ. Dieses Ereignis dürfte spätestens im Jahr 44 nach Christus stattgefunden haben.
Damit erfüllten sich die Worte Jesu, als Er Jakobus fragte, ob er bereit sei, den Kelch zu trinken, den auch Er trinken werde. Jakobus bezeugte seinen Glauben schließlich mit seinem Blut und wurde so zum ersten Märtyrer aus dem Kreis der Apostel.
War Jakobus in Spanien?
Die Heilige Schrift berichtet nichts darüber, dass Jakobus in Spanien missioniert habe. Deshalb gehen viele Historiker davon aus, dass für eine längere Missionsreise angesichts seines frühen Martyriums kaum Zeit geblieben wäre. Dennoch hält die kirchliche Überlieferung seit Jahrhunderten daran fest, dass der Apostel zumindest für eine gewisse Zeit auf der Iberischen Halbinsel das Evangelium verkündete.
Die Erscheinung der Gottesmutter in Saragossa
Als seine Missionsarbeit dort nur wenige sichtbare Früchte trug und ihn Mutlosigkeit zu überfallen drohte, erschien ihm die allerseligste Jungfrau Maria in Saragossa (dem heutigen Zaragoza). Obwohl sie damals noch auf Erden lebte, kam sie auf wunderbare Weise zu ihm und stärkte ihn für seinen apostolischen Auftrag.
Die Gottesmutter soll auf einer Säule (Pilar) gestanden und Jakobus gebeten haben, an dieser Stelle eine Kapelle zu errichten. Aus diesem Heiligtum entstand später die weltberühmte Basilika Nuestra Señora del Pilar, die bis heute zu den bedeutendsten Marienwallfahrtsorten Spaniens gehört.
Auch wenn sich dieses Ereignis nicht aus der Heiligen Schrift, sondern aus der kirchlichen Überlieferung herleitet, gehört die Verehrung Unserer Lieben Frau vom Pfeiler seit vielen Jahrhunderten zum geistlichen Erbe Spaniens und ist eng mit dem heiligen Jakobus verbunden.
Nach seinem Tod sollen seine Jünger seinen Leichnam nach Galicien gebracht haben, wo sich heute das weltberühmte Grab in Santiago de Compostela befindet. Diese Überlieferung begründete eine der bedeutendsten Pilgerstätten der Christenheit.
Die Mutter des Apostels
Auch die Mutter des Jakobus, die heilige Salome, erscheint mehrfach im Evangelium. Sie gehörte zu den Frauen, die Jesus bis unter das Kreuz begleiteten, als die meisten Jünger geflohen waren.
Gemeinsam mit Maria Magdalena brachte sie wohlriechende Salben zum Grab des Herrn und gehörte zu den ersten Zeuginnen der Auferstehung. Deshalb wird sie in der christlichen Kunst häufig mit einem Salbgefäß dargestellt.
Patron der Pilger
Seit dem Mittelalter zählt Santiago de Compostela neben Jerusalem und Rom zu den bedeutendsten Wallfahrtsorten der Christenheit. Unzählige Gläubige haben den Jakobsweg als Weg der Umkehr, der Buße und der Erneuerung beschritten.
Der heilige Jakobus erinnert uns, dass jeder Christ auf Erden ein Pilger ist. Wer Christus nachfolgt, geht einen Weg, der Mühen kennt, aber schließlich zur ewigen Heimat führt.
Das Heilige Jakobusjahr
Immer dann, wenn der 25. Juli, das Fest des heiligen Jakobus, auf einen Sonntag fällt, wird in Santiago de Compostela ein Heiliges Jakobusjahr gefeiert. Den Pilgern werden in dieser Zeit besondere geistliche Gnaden angeboten, darunter – unter den von der Kirche festgelegten Bedingungen – auch der vollkommene Ablass.
Nach dem letzten regulären Heiligen Jahr 2021 (das aufgrund der Pandemie bis 2022 verlängert wurde) richtet sich der Blick nun auf das Heilige Jakobusjahr 2027. Für viele Gläubige könnte dies eine schöne Gelegenheit sein, sich auf den Weg zum Grab des Apostels zu machen und dort den Glauben zu vertiefen sowie den heiligen Jakobus um seine Fürsprache zu bitten.
Heiliger Jakobus – Santiago de Compostela, bitte für uns!
Unsere Liebe Frau vom Pfeiler – Nuestra Señora del Pilar, bitte für uns!