Unsere irdische Pilgerschaft hat ein Ziel
Der Monat November lädt uns in besonderer Weise ein, über die letzten Dinge nachzudenken: den Tod, das Gericht, den Himmel und die Hölle. Es sind Wahrheiten unseres Glaubens, die uns daran erinnern, dass unser irdisches Leben eine Pilgerschaft ist und dass unser eigentliches Ziel die ewige Gemeinschaft mit Gott im Himmel ist.
Der Glaube an den Himmel schenkt uns Hoffnung und Orientierung. Zugleich dürfen wir nicht vergessen, dass unser Weg auch eine ernste Entscheidung verlangt. Wir sind zur Heiligkeit berufen und sollen unser Leben so führen, dass wir unser ewiges Ziel nicht aus den Augen verlieren.
Das Hochfest Allerheiligen am 1. November führt uns die große Schar der Heiligen vor Augen. Sie haben das Ziel ihrer Pilgerschaft erreicht und stehen nun vor Gottes Angesicht. Ihr Leben ermutigt uns, ihnen auf dem Weg des Glaubens nachzufolgen. Zugleich dürfen wir auf ihre Fürsprache vertrauen.
Am 2. November, dem Allerseelentag, betet die Kirche für die Verstorbenen, besonders für jene Seelen, die noch der Läuterung im Fegefeuer bedürfen. Auch die Adventszeit lenkt unseren Blick auf die Wiederkunft Christi und das endgültige Gericht.
Das Fegefeuer – ein Ausdruck der Barmherzigkeit Gottes
Die Lehre vom Fegefeuer gehört wesentlich zum katholischen Glauben. Sie betrifft jene Menschen, die in der Gnade und Freundschaft Gottes sterben, aber noch nicht vollständig gereinigt sind. Sie sind ihrer ewigen Erlösung gewiss, müssen jedoch nach dem Tod noch jene Läuterung erfahren, die notwendig ist, um in die vollkommene Heiligkeit des Himmels einzugehen (vgl. Katechismus der Katholischen Kirche, 1030).
Nichts Unreines kann in die Gegenwart Gottes eintreten. Deshalb ist das Fegefeuer keine endgültige Strafe und kein zweiter Weg zur Erlösung, sondern eine letzte Reinigung jener Seelen, die zu Gott gehören und seiner vollkommenen Gemeinschaft entgegengehen.
In diesem Licht erkennen wir das Fegefeuer auch als Ausdruck der göttlichen Barmherzigkeit. Gott vollendet in den Seelen das Werk der Heiligung, das in ihrem irdischen Leben begonnen hat.
Unsere Pflicht und unser Geschenk: für die Verstorbenen beten
Aus diesem Glauben erwächst eine besondere Aufgabe für uns. Die Verstorbenen sind nicht vergessen, und unsere Liebe zu ihnen endet nicht mit ihrem Tod. Die Kirche ermutigt uns, für die armen Seelen im Fegefeuer zu beten, heilige Messen für sie aufopfern zu lassen und Ablässe für sie zu gewinnen.
Wie wichtig ist es deshalb, nicht einfach vorauszusetzen, dass jeder Verstorbene bereits die Herrlichkeit des Himmels genießt. Wir dürfen und sollen den Hinterbliebenen Trost und Hoffnung schenken, aber zugleich die Verstorbenen unserem barmherzigen Gott anbefehlen. Gerade die Feier der heiligen Messe für ihre Seelen ist ein kostbares Werk christlicher Nächstenliebe.
Die Gemeinschaft der Heiligen verbindet die Kirche auf Erden mit den Verstorbenen und den Heiligen im Himmel. Wir beten füreinander und dürfen darauf vertrauen, dass unsere Gebete und Opfer den Seelen zugutekommen.
Leben in der Hoffnung auf die Ewigkeit
Die Betrachtung der letzten Dinge soll uns nicht traurig oder mutlos machen. Sie soll uns vielmehr helfen, unser Leben im Licht der Ewigkeit zu sehen. Die Ehrfurcht vor Gott ist dabei keine bloße Angst vor Strafe. Sie ist vor allem die kindliche Ehrfurcht vor unserem himmlischen Vater und der Wunsch, ihn durch unser Leben nicht zu verletzen.
Wir dürfen uns nach dem Himmel sehnen und zugleich ernst nehmen, dass wir auf Gottes Gnade angewiesen sind. Die Erlösung ist ein Geschenk, das wir nicht aus eigener Kraft verdienen können. Sie verlangt aber unsere Antwort: Umkehr, ein Leben in der Gnade, Liebe und Treue bis zum Ende.
Die heilige Theresia vom Kinde Jesu erinnerte daran, dass die Heiligen im Himmel erkennen werden, wie sehr sie einander durch ihre Gebete und die empfangenen Gnaden geholfen haben, das ewige Ziel zu erreichen.
Das ist ein schöner Gedanke, den wir gerade im November neu bedenken dürfen: Wir sind auf unserem Weg zum Himmel nicht allein. Die Kirche begleitet uns mit ihrem Gebet, die Heiligen stehen uns bei, und auch wir können durch unser Gebet den Verstorbenen helfen.
Unser Ziel ist der Himmel – die ewige Gemeinschaft mit Gott. Möge uns diese Hoffnung stets begleiten und unser ganzes Leben prägen.