Am 7. Oktober 1571 besiegte die Flotte der Heiligen Liga unter Don Juan de Austria die osmanische Flotte bei Lepanto. Doch es erschließt sich die Bedeutung dieses Tages erst, wenn man neben den Schiffen und ihren Besatzungen auch den Glauben betrachtet, der die Verteidiger der Christenheit trug. Dabei begegnen uns ein betender Papst, die Kraft des Rosenkranzes und Menschen, die angesichts großer Gefahr, sich weigern, zu verzweifeln.
Ein Held fern vom Schlachtfeld
Einem Mann muß man besondere Aufmerksamkeit schenken: dem heiligen Papst Pius V. und dessen Ringen um das Bündnis, ohne dass die gemeinsame Flotte nicht zustande gekommen wäre.
Europa war religiös gespalten. Auch die katholischen Mächte handelten keineswegs selbstverständlich gemeinsam. Der Papst überwindet insbesondere die Verzögerungen und wechselnden Forderungen Philipps II. von Spanien. Verhandlungen wurden zum Geduldstest, während die Bedrohung wuchs.
Hier erkennt man eine Form des Heldentums, die leicht übersehen wird: die Fähigkeit, unter seelischer Bedrängnis auszuharren und weiterzuarbeiten. Pius V. führte kein Schiff. Aber er trug die Sorge um die Christenheit und ließ sich durch Hindernisse nicht entmutigen. Er ist der wirkliche Held von Lepanto.
Der Rosenkranz und die Geschichte
Was ist Lepanto ohne das Gebet des Rosenkranzes, dieser Verbindung von ausgesprochenem Gebet und betrachtender Versenkung in die Geheimnisse des Lebens Jesu und Mariens? Die Lippen bitten, der Geist betrachtet: Der ganze Mensch wendet sich Gott zu.
In dieser Sicht ist der Rosenkranz keine bloße Gewohnheit. Er bildet den Glauben, stärkt die Beharrlichkeit und führt den Betenden zu Christus.
Pius V. forderte die ganze Christeheit auf, den Rosenkranz zu beten, um den Sieg über die Feinde bei Lepanto zu erringen. Schließlich erkannte er auf übernatürliche Weise noch vor dem Eintreffen des Boten den Sieg der Koalition.
Lepanto ist eine durch die Fürbitte Mariens erlangte Gnade. Deswegen ist die Gnade von Lepanto nicht einfach ein geschichtliches Ereignis. Lepanto ermutigt dazu, auch in den Prüfungen des eigenen Lebens zu beten und treu zu bleiben und nicht zu verzagen.
Vertrauen, wenn alles bedroht scheint
Betrachten wir die Bedrängnis während der Schlacht. Der Gegner war auf katholische Schiffe vorgedrungen, doch die Verteidiger hielten stand.
Was ist die Lehre daraus? Vertrauen zeigt sich besonders dort, wo die Hilfe noch nicht sichtbar ist. Es bewährt sich, wenn Angst und Rückschläge dazu drängen, aufzugeben. Vertrauen auf die Muttergottes ist unsere große Losung, das wahre Leitwort unseres Sieges.
Dieses Vertrauen verbindet sich mit entschlossenem Handeln. Der Papst betet und verhandelt. Die Kämpfer beten und halten stand. Menschlicher Einsatz und das Vertrauen auf Gottes Hilfe gehören zusammen.
Was Lepanto uns heute sagt
Aus diesen Betrachtungen lässt sich eine Frage an uns selbst gewinnen: Woraus schöpfen wir Kraft, wenn unsere Anstrengungen vergeblich erscheinen?
Lepanto ist eine Einladung, die geistliche Wirklichkeit mitten in der Geschichte wahrzunehmen. Die Erinnerung führt vom Meer des Jahres 1571 zum Rosenkranz in unseren Händen: zu einem Glauben, der betet, handelt und auch in der Bedrängnis die Hoffnung bewahrt.