Ein persönliches Zeugnis über Freundschaft mit Pater Pio
Im Hinblick auf den Gedenktag des heiligen Pater Pio am 23. September ist dieser Artikel aus der spanischen katholischen Zeitschrift Omnes besonders lesenswert. Er erschien bereits im März 2024 und erzählt die ungewöhnliche Geschichte des Costa-Ricaners Fernando Felipe Sánchez Campos und seiner Beziehung zu Pater Pio. Sein Sohn wurde auf die Fürsprache Pater Pios von einer angeborenen Herzkrankheit geheilt.
Er schrieb darüber ein Buch (auf Spanisch) „Nace un hijo espiritual“—Ein geistliches Kind wird geboren—Verlag San Pablo.
Sánchez Campos ist Rektor der Katholischen Universität von Costa Rica. Zuvor war er Abgeordneter im Parlament seines Landes, Botschafter Costa Ricas beim Heiligen Stuhl und Ständiger Vertreter bei den Einrichtungen der Vereinten Nationen in Rom. Doch bei all diesen Aufgaben bezeichnet er sich vor allem als eines: als Freund des heiligen Pater Pio.
Der Wendepunkt in dieser Freundschaft war die Heilung seines Sohnes Fernando, der mit einem schweren Herzfehler geboren wurde. Sánchez Campos erzählt von verschiedenen Ereignissen, die er als Zeichen der Fürsprache Pater Pios verstand, und davon, wie dieser Heilige immer mehr zu einem Begleiter seiner ganzen Familie wurde.
„Wie sind Sie zu dieser Beziehung mit Pater Pio gekommen?“
Noch bevor ich Pater Pio wirklich kennenlernte, gab es Zeichen, die mich zunächst sehr beschäftigten. Ich erinnere mich gut an einen Traum, in dem ich mit einem bärtigen Kapuziner sprach. Damals erkannte ich nicht, dass es Pater Pio war, denn ich kannte ihn noch nicht und konnte nicht einmal Italienisch.
Später schenkte mir jemand ein Buch über Pater Pio. Als ich darin sein Bild sah, erkannte ich den Kapuziner aus meinem Traum wieder. Trotzdem las ich das Buch zunächst nicht; es blieb im Bücherregal stehen.
Der stärkste Hinweis kam, als meine Frau ein Kind erwartete. Damals war ich Mitglied des Parlaments von Costa Rica. Als sie es mir erzählte, schlug ich vor, in die erste Kirche zu gehen, die wir finden würden, um dort ihren Bauch segnen zu lassen. Nach sieben Jahren des Wartens auf Kinder wollte ich nicht in unsere eigene Pfarrkirche gehen, weil ich nicht so viel „Aufsehen“ erregen wollte.
Nun, die erste Kirche, die wir fanden, war Pater Pio geweiht.
Der Pfarrer segnete den Bauch meiner Frau, vor dem Allerheiligsten und ermunterte uns anschließend, die Fürsprache des Patrons dieser Kirche zu erbitten. Ich sagte zu – ohne überhaupt zu wissen, von wem er sprach. Und es stellte sich heraus: Es war Pater Pio.
Da brachte ich alles miteinander in Verbindung: den Traum, das Buch … Ich dachte: „Offenbar will dieser Heilige etwas von mir.“ Und ich merkte, dass ich bisher nicht richtig zugehört hatte. Von diesem Augenblick an begann ich, mich eingehend mit seinem Leben zu beschäftigen.
„Was beeindruckt Sie am Leben Pater Pios am meisten?“
Wenn man das Leben Pater Pios kennenlernt und all die Charismen betrachtet, die er empfangen hat – ich glaube, er hatte beinahe alle –, ist das natürlich beeindruckend und faszinierend.
Aber noch stärker als all das ist für mich sein Zeugnis.
Ich glaube, dass die Heiligen uns gewissermaßen „auswählen“ und dass der Herr jedem von uns den Heiligen schickt, den wir brauchen. Wenn der Herr mir einen so großen Heiligen als Leiter geschickt hat, dann erwartet Er offenbar etwas von mir.
Das fordert uns heraus. Denn wir sprechen von einem Leben, das ganz der Heiligkeit gewidmet war: von der Hingabe an andere, vom Zeugnis und davon, trotz aller Prüfungen nach Heiligkeit zu streben.
Auch Benedikt XVI. hat mir das einmal gesagt. Als ich ihm mein Beglaubigungsschreiben überreichte und er den „Wunderjungen“ kennenlernen wollte, sagte er mir, ich solle mir einen Heiligen auswählen – ich hatte Pater Pio bereits ausgewählt –, zu dem ich beten könne. Man müsse sehen, dass all das, was einem selbst widerfahre, nichts sei im Vergleich zu dem, was die Heiligen durchgemacht hätten.
Er hatte zweifellos recht.
„Wie würden Sie Ihre Beziehung zu Pater Pio beschreiben?“
Er ist mein Freund. Ich sehe ihn als meinen persönlichen Freund. Ich spreche ständig mit ihm, und immer wieder gibt er mir Zeichen.
Diese Zeichen verstehe ich immer besser, besonders wenn mich etwas beunruhigt oder beschäftigt oder wenn ich ihn um seine Fürsprache gebeten habe.
Zum Beispiel begegnet mir immer wieder irgendwo die Zahl 23. Pater Pio starb am 23. September 1968.
Ich glaube, man muss sein Herz offenhalten, um solche Zeichen verstehen zu können. Denn der Herr und die Heiligen sprechen ständig zu uns.
Manchmal hatte ich Zweifel, ob das, was ich gerade tat, wirklich der richtige Weg war. Dann kam ich etwa in ein Hotel – und bekam Zimmer Nummer 23!
Es ist sogar vorgekommen, dass mir in einem schwierigen Augenblick jemand etwas in Erinnerung rief, was ich selbst in meinem Buch geschrieben hatte und längst vergessen hatte.
Diese Freundschaft mit Pater Pio ist inzwischen eine Beziehung der ganzen Familie. Mein Sohn Fernando sieht Pater Pio schon seit seiner frühen Kindheit als jemanden, der ihm sehr nahe ist. Als er gerade vier Jahre alt war, sprachen sie in seiner Schule in Italien eines Tages über die Heiligen. Da wollte er den anderen Kindern seine eigene „Geschichte“ mit Pater Pio erzählen.
„Und Ihre Tochter heißt María Pía“
Ja, genau. Die Geschichte ihres Namens ist sehr schön, weil er ganz natürlich entstanden ist.
Als das ganze Problem mit Fernando und die Fürsprache Pater Pios geschehen waren, schrieb ich alles auf, was passiert war – nicht um es zu veröffentlichen, sondern einfach, um meine Gefühle niederzuschreiben.
Nachdem mein Sohn geheilt war, fuhren wir nach San Giovanni Rotondo, um ein Versprechen zu erfüllen, das wir gegeben hatten. Ich wollte dem Guardian des Klosters erzählen, was geschehen war. Da ich damals vor lauter Bewegung kaum sprechen konnte, hatte ich meinen ganzen Bericht schriftlich dabei.
Ich stellte mich am Beichtstuhl an. Als ich an der Reihe war, sagte ich zu Bruder Carlo: „Das Erste, was ich beichten muss, ist, dass ich nicht zum Beichten gekommen bin, sondern um Ihnen dies zu übergeben.“ Und ich gab ihm meinen Bericht.
Am folgenden Tag nahm er uns mit nach Pietrelcina. Er wollte meinen Sohn Fernando kennenlernen, der damals noch sehr klein war, und einen Auszug aus meinem Bericht in der Voce di Padre Pio, der Zeitschrift des Heiligtums, veröffentlichen.
Als wir einige Jahre später wiederkamen, war meine Frau zum zweiten Mal schwanger. Niemand wusste davon, und wir wollten, dass Bruder Carlo die Nachricht überbrachte.
Er war damit einverstanden, fragte mich aber: „Wie soll das Mädchen heißen?“
Wir hatten den Namen noch gar nicht entschieden. Da sagte er ganz einfach: „Das ist doch ganz leicht! Sie wird María Pía heißen.“
Auf diese Weise war es gewissermaßen Bruder Carlo Maria Laborde, der den Namen meiner Tochter auswählte. Wir waren sofort einverstanden.
„Welches Wort Pater Pios hat Sie besonders berührt?“
Es gibt mehrere. Eines, das sehr bekannt ist, habe ich immer vor Augen:
„Bete, hoffe und mach dir keine Sorgen.“
Auch ein anderes Wort kommt mir oft in den Sinn:
„Die Prüfungen sind die Juwelen, die um den Hals der Seelen hängen, die Gott am meisten liebt.“
Viele seiner Worte haben mich irgendwann tief im Herzen berührt.
Ich mag auch den Humor, den Pater Pio hatte. Man hat manchmal gesagt, er sei „ärgerlich“ gewesen. Aber er litt ständig unter den Schmerzen seiner Stigmata, und viele Menschen bedrängten ihn geradezu.
Dabei hatte er einen sehr guten Sinn für Humor und nahm sich selbst nicht allzu ernst. Was er tat, nahm er sehr ernst – aber nicht sich selbst.
Ich glaube, dass gerade dieses Zeugnis sehr wertvoll ist.
Eine Begegnung mit Benedikt XVI.
Ich erinnere mich an eine sehr schöne Begebenheit, die ich in meinem Buch ausführlich erzähle.
Als ich Benedikt XVI. mein Beglaubigungsschreiben überreichte, hatte man anschließend etwa zehn Minuten Zeit, mit dem Papst zu sprechen. Ich berichtete ihm zunächst über die „offiziellen“ Angelegenheiten. Gegen Ende sagte ich: „Heiliger Vater, jetzt möchte ich mit Ihnen über mich sprechen.“
Der Papst stimmte zu, ließ die anderen hinausgehen, und wir konnten uns mehr als eine halbe Stunde unterhalten.
Während dieses Gesprächs bat mich Benedikt XVI., den „Wunderjungen“ kennenzulernen.
Nachdem wir hinausgegangen waren, segnete er uns alle – das Personal und die Familie – und verbrachte noch einige Minuten mit uns.
Als wir schon gehen wollten, sagte mein damals dreijähriger Sohn Fernando plötzlich ganz erschrocken, dass er sich noch gar nicht vom Papst verabschiedet habe. Er löste sich von meiner Hand und rannte zum Büro des Papstes zurück. Ein Fotograf des L’Osservatore Romano lief sofort hinter ihm her.
Einige Minuten später kamen sie wieder heraus und erzählten uns, dass Fernando tatsächlich zurückgegangen war, um sich vom Papst zu verabschieden.
Der Fotograf machte damals wunderschöne Bilder von diesem Augenblick, die wir bis heute als Erinnerung besitzen.
Von jenem Tag an fragte Benedikt XVI. mich immer wieder nach „dem kleinen Botschafter“.
„Welchen Auftrag gibt Ihnen Pater Pio?“
Mit fünfzig Jahren befinde ich mich jetzt in einem Lebensabschnitt, in dem ich zurückblicke. Mir ist bewusst geworden, dass ich aus irgendeinem Grund schon in jungen Jahren große Verantwortung übernehmen musste – und dies oft gerade in schwierigen Zeiten für die Einrichtungen, in denen ich tätig war.
Mit 32 Jahren wurde ich Abgeordneter der Republik Costa Rica. Einige Jahre später wurde ich Botschafter beim Heiligen Stuhl und beim Souveränen Malteserorden sowie Ständiger Vertreter bei den Einrichtungen der Vereinten Nationen in Rom.
Ich erinnere mich noch an unsere erste Ankunft im Petersdom zu einem offiziellen Anlass. Meine Frau und ich setzten uns auf die Plätze der Botschafter. Da kamen einige Wachen und sagten zu uns: „Los, machen Sie schnell Ihr Foto und gehen Sie wieder, sonst werden Sie gleich hinausgeworfen!“( – er erzählt es lachend.)
Als wir in Rom ankamen, lag die Botschaft ziemlich darnieder. Sie hatte kaum Einfluss. In mehr als 165 Jahren diplomatischer Beziehungen war kein einziges Kooperationsabkommen abgeschlossen worden.
Wir begannen zu arbeiten, und während dieser Jahre wurden unter anderem Vereinbarungen mit dem Krankenhaus von San Giovanni Rotondo getroffen. In der Päpstlichen Basilika Sant’Anna wurde die Gottesmutter von den Engeln, die Patronin Costa Ricas, feierlich verehrt. Außerdem durften wir die Heiligsprechung des heiligen Johannes Paul II. miterleben, die aufgrund des Wunders der Heilung der Costa-Ricanerin Floribeth Mora Díaz möglich geworden war.
So wurde unsere Botschaft zu einer der aktivsten in Rom.
Nach dieser Zeit wurde mir die Katholische Universität von Costa Rica anvertraut. Als ich dort eintraf, befand sie sich ebenfalls in einer schwierigen Situation. Gemeinsam haben wir nach und nach verschiedene Probleme gelöst.
Auf irgendeine Weise glaube ich, dass der Herr mich immer wieder an Orte führt, an denen Verantwortung übernommen werden muss, damit ich versuche, Dinge wiederherzustellen.
Dabei stütze ich mich auf zwei Grundlagen: das Gebet und die harte Arbeit, damit die Dinge vorankommen.
Ich weiß, dass ich ohne die geistliche Kraft keine dieser drei Aufgaben übernommen hätte. Menschlich gesehen war es jeweils nicht der richtige Zeitpunkt.
Aber der Herr erwählt nicht die Befähigten, sondern Er befähigt diejenigen, die Er beruft.
Quelle: Omnes, Maria José Atienza