Im Gehorsam geprüft
Zu den schmerzlichsten Kapiteln im Leben Pater Pios gehören die Jahre der kirchlichen Untersuchungen und Einschränkungen. Aufgrund von Verdächtigungen und Beschwerden wurden ihm für längere Zeit das öffentliche Feiern der heiligen Messe, das Beichthören sowie der persönliche Kontakt zu vielen Gläubigen untersagt. Für einen Priester, dessen Leben ganz der Feier der Eucharistie und der Versöhnung der Seelen mit Gott gewidmet war, bedeutete dies ein schweres Kreuz.
Dennoch begegnete Pater Pio diesen Maßnahmen weder mit Auflehnung noch mit öffentlicher Kritik. Er nahm sie im Gehorsam an und vertraute darauf, dass Gott auch durch schmerzliche Prüfungen Seinen Willen erfüllt.
Liebe zur Kirche
Die Zeugen seines Heiligsprechungsverfahrens berichten übereinstimmend, dass Pater Pio niemals gegen den Papst oder die Kirche sprach. Obwohl ihn manche ermutigten, sich öffentlich zu verteidigen oder gegen die Entscheidungen aus Rom vorzugehen, lehnte er dies entschieden ab. Er wollte nicht sich selbst rechtfertigen, sondern der Kirche treu bleiben.
Sein Gehorsam war Ausdruck einer tiefen übernatürlichen Liebe. Er wusste, dass Christus seine Kirche auch dann führt, wenn Menschen Fehler machen oder ungerechte Entscheidungen treffen.
Ein bewegendes Zeugnis
Besonders eindrucksvoll ist Pater Pios letzter Brief an Papst Paul VI. vom 12. September 1968, nur elf Tage vor seinem Heimgang. Darin versichert er dem Heiligen Vater seine Verehrung und Treue und schreibt:
„Ich weiß, dass Euer Herz in diesen Tagen sehr betrübt ist wegen des Geschicks der Kirche … vor allem aber wegen des mangelnden Gehorsams mancher Menschen, auch Katholiken, gegenüber dem hohen Lehramt … Ich schenke Euch mein Gebet und meine täglichen Leiden …, damit der Herr Euch stärke auf dem mühevollen Weg zur Verteidigung der ewigen Wahrheit.“**
Diese Worte sind umso bemerkenswerter, wenn man bedenkt, dass gerade Pater Pio selbst jahrelang unter Entscheidungen kirchlicher Behörden gelitten hatte. Dennoch beklagte er nicht sein eigenes Schicksal, sondern den mangelnden Gehorsam gegenüber dem Papst.
Ein Vorbild für unsere Zeit
Darin liegt eine bleibende Lehre.
Treue bedeutet nicht, jede menschliche Meinung in der Kirche für unfehlbar zu halten. Die Geschichte kennt Fehlentscheidungen und Irrtümer im Handeln kirchlicher Amtsträger. Das Petrusamt aber bleibt eine Stiftung Christi und ein Dienst an der Einheit der Kirche.
Pater Pio unterschied deshalb klar zwischen menschlichen Schwächen und dem göttlichen Auftrag des Papstamtes. Seine Liebe zur Kirche war größer als sein persönliches Leid.
Auch heute werden Meinungsverschiedenheiten oft öffentlich ausgetragen und nähren leicht Verbitterung oder Spaltung. Pater Pio weist uns einen anderen Weg: den Weg des Gebets, der Demut und des vertrauensvollen Gehorsams. Beten wir, wie Pater Pio, für den Papst und bleiben wir Christus treu, der seine Kirche niemals verlässt.
Heiliger Pater Pio, bitte für uns!