Pater Pio vereinte Gebet und tätige Liebe. Wie die heilige Martha wusste er, dass jedes Werk der Nächstenliebe seine Kraft aus der innigen Gemeinschaft mit Christus empfängt. Die Heilige von Bethanien erinnert uns daran, den Herrn in unser Herz aufzunehmen; Pater Pio zeigt uns, wie wir Ihm in unseren Mitmenschen dienen können. Beide lehren uns, dass ein Leben der Heiligkeit dort beginnt, wo Christus den ersten Platz erhält.
Freundschaft mit Jesus
Am 29. Juli feiert die Kirche das Fest der heiligen Martha, jener treuen Jüngerin des Herrn, die zusammen mit ihrer Schwester Maria und ihrem Bruder Lazarus zu den innigsten Freunden Jesu gehörte. Ihr Haus in Bethanien war dem göttlichen Meister stets geöffnet. Dort fand Er Gastfreundschaft, Ruhe und eine Familie, die Ihn liebte und an Ihn glaubte.
Die Heilige Schrift schildert Martha als eine Frau des tätigen Eifers. Während Maria zu den Füßen Jesu sitzt und seinem göttlichen Wort lauscht, sorgt Martha für das Wohl ihrer Gäste. Als sie den Herrn bittet, ihre Schwester möge ihr helfen, antwortet Christus:
Martha, Martha, Du sorgst und bemühst Dich um vieles; nur eines aber ist notwendig. Maria hat Maria hat den besseren Teil erwählt, der ihr nicht genommen wird. (Lk 10,41–42)
Die Kirchenväter sehen in diesen Worten keine Geringschätzung des tätigen Dienstes. Der heilige Augustinus und der heilige Gregor der Große lehren vielmehr, dass Martha das tätige christliche Leben verkörpert, Maria hingegen das betrachtende Leben. Beide gehören untrennbar zusammen. Das Gebet führt zum Dienst am Nächsten, und der Dienst erhält seine Kraft aus der innigen Gemeinschaft mit Gott.
Ein leuchtendes Glaubensbekenntnis
Eindrucksvoll tritt Marthas Glaube bei der Auferweckung des Lazarus hervor. Als Jesus spricht: „Ich bin die Auferstehung und das Leben“, antwortet sie:
„Ja, Herr, ich glaube, dass Du der Christus bist, der Sohn Gottes, der in die Welt kommen soll.“ (Joh 11,27)
Mit diesen Worten bekennt Martha den Herrn mit Klarheit und Festigkeit, was sie bis heute zu einem Vorbild gläubigen Vertrauens macht.
Provence
Nach alter christlicher Überlieferung verließ Martha nach der Verfolgung der ersten Christen gemeinsam mit Lazarus, Maria von Bethanien und weiteren Jüngern das Heilige Land. Die göttliche Vorsehung führte sie an die Küste der Provence, von wo aus sie das Evangelium verkündeten.
Martha ließ sich schließlich in Tarascon nieder, am Ufer der Rhône, unweit von Marseille. Dort führte sie ein Leben des Gebetes, der Buße und der Werke der Barmherzigkeit. Um sie sammelte sich eine Gemeinschaft gottgeweihter Frauen, die ihr Leben ganz in den Dienst Gottes stellten. Bis heute bewahrt Tarascon das Andenken an die heilige Martha. Dort erhebt sich die ehrwürdige Stiftskirche Sainte-Marthe, deren Krypta seit Jahrhunderten Ziel zahlreicher Pilger ist.
Mit Tarascon verbindet sich auch die bekannte Überlieferung von der Tarasque, einem furchterregenden Untier. Martha trat ihm mit dem Zeichen des heiligen Kreuzes und im festen Vertrauen auf die Macht Christi.
Patronin des dienenden Lebens
Die heilige Martha wird als Patronin der Hausfrauen, Köchinnen, Gastwirte, Hoteliers, Hausangestellten sowie aller verehrt, die anderen Menschen mit Liebe und Hingabe dienen. Ihr Leben erinnert daran, dass auch die gewöhnlichen Aufgaben des Alltags zu einem heiligen Dienst werden, wenn sie aus Liebe zu Gott verrichtet werden.
Gerade in unserer ruhelosen Zeit zeigt uns die heilige Martha den rechten Weg. Wer Christus an die erste Stelle setzt, wird Ihm auch im Nächsten begegnen. So werden Gebet und Arbeit, Gottesliebe und Nächstenliebe zu einer untrennbaren Einheit.
Heilige Martha, bitte für uns!
Heiliger Pater Pio, bitte für uns!