Nicht Angst öffnet das Herz Gottes, sondern die Liebe. Die vollkommene Reue ist der Weg zurück zum offenen Heiligsten Herzen Jesu.
Die vollkommene Reue – ein vergessener Schatz der Kirche
Das Heiligste Herz Jesu schlägt unaufhörlich, voll von Liebe und Erbarmen für jeden Menschen. Es sehnt sich danach, verlorene Kinder heimzuführen und ihnen Vergebung zu schenken. Gerade die Lehre von der vollkommenen Reue offenbart diese unendliche Barmherzigkeit. Sie zeigt, dass Gott selbst in den schwierigsten Augenblicken einen Weg zur Versöhnung eröffnet – wenn ein Mensch mit aufrichtiger Liebe zu Ihm zurückkehrt.
Was ist die vollkommene Reue?
Die katholische Kirche unterscheidet zwischen unvollkommener und vollkommener Reue.
Die unvollkommene Reue entsteht aus der Furcht vor Strafe, vor der Hölle oder aus Scham über die Sünde. Sie genügt, um im Sakrament der Beichte gültig die Lossprechung zu empfangen.
Die vollkommene Reue hingegen entspringt der Liebe zu Gott. Der Mensch bereut seine Sünden vor allem deshalb, weil sie den unendlich guten und liebenden Gott beleidigt haben. Nicht die Angst steht im Mittelpunkt, sondern die Liebe. Es schmerzt ihn, das Herz Jesu verletzt und Seine Liebe zurückgewiesen zu haben.
Die Lehre der Kirche
Der Katechismus der Katholischen Kirche (KKK 1452) lehrt, dass die vollkommene Reue, wenn sie aus der Liebe zu Gott hervorgeht und den festen Vorsatz einschließt, sobald wie möglich die sakramentale Beichte abzulegen, sogar die Vergebung der Todsünden erlangt.
Diese Lehre reicht bis in die frühe Tradition der Kirche zurück und wurde vom Konzil von Trient ausdrücklich bestätigt. Sie bedeutet nicht, dass die Beichte überflüssig wäre, sondern zeigt die Größe der göttlichen Barmherzigkeit für jene, die in einer Notsituation keinen Zugang zu einem Priester haben.
Ein Hoffnungsschimmer in jeder Not
Unfälle, schwere Krankheiten, Krieg oder die Stunde des Todes können plötzlich eintreten. Nicht immer ist ein Priester erreichbar.
Gerade dann ist die vollkommene Reue ein unschätzbares Geschenk Gottes. Wer seine Sünden aus Liebe zu Gott ehrlich bereut und den festen Vorsatz hat, sobald wie möglich zu beichten, wird bereits in diesem Augenblick mit Gott versöhnt.
Diese Wahrheit ist eine der tröstlichsten Lehren der Kirche und schenkt besonders in Todesgefahr große Hoffnung.
Der gute Schächer – ein leuchtendes Beispiel
Das Evangelium zeigt uns den guten Schächer am Kreuz. Er hatte keine Möglichkeit mehr zur sakramentalen Beichte, doch er bekannte seine Schuld, wandte sich vertrauensvoll an Jesus und sprach:
„Jesus, denk an mich, wenn Du in Dein Reich kommst.“
Darauf antwortete der Herr: „Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein.“
Demut, Vertrauen und Liebe öffneten ihm augenblicklich die Tür der göttlichen Barmherzigkeit.
Ein Akt des Willens
Vollkommene Reue ist vor allem keine Frage großer Gefühle. Man muss weder Tränen vergießen noch außergewöhnliche Emotionen erleben.
Entscheidend ist der freie Wille:
- Gott über alles lieben,
- die Sünde aufrichtig bereuen,
- sie künftig meiden wollen,
- und den festen Vorsatz haben, bei der nächsten Gelegenheit zu beichten.
Das Kreuz, betrachtet mit den Augen der Liebe
Viele Heilige empfehlen, vor einem Kruzifix zu verweilen und sich drei Fragen zu stellen:
- Wer leidet? – Der Sohn Gottes, der Schöpfer und Erlöser.
- Was leidet Er? – Die Geißelung, die Dornenkrönung, die Kreuzigung und den Tod.
- Warum leidet Er? – Wegen unserer Sünden und aus unendlicher Liebe zu uns.
Wer dies im Herzen betrachtet, wird zur Liebe geführt. Aus dieser Liebe wächst die vollkommene Reue.
Eine tägliche Übung der Seele
Die Heiligen empfahlen, die vollkommene Reue regelmäßig zu erwecken:
- jeden Abend,
- nach einem schweren Sündenfall,
- vor Reisen,
- während Krankheit,
- nach belastenden Nachrichten,
- insbesondere in jeglicher Lebensgefahr.
Sie ersetzt niemals das Sakrament der Beichte, bereitet die Seele aber auf die Begegnung mit Gott vor und vertieft die Liebe zu Ihm.
Auch ein Dienst der Nächstenliebe
Gerade in Todesgefahr kann es ein großer Liebesdienst sein, auch anderen Menschen – selbst Fernstehenden oder Nichtkatholiken – zu zeigen, wie sie sich mit aufrichtiger Reue und Vertrauen an Christus wenden können. Gott will das Heil aller Menschen und Seine Gnade kann selbst in den letzten Augenblicken des Lebens wirken.
Die Beichte bleibt unverzichtbar
Die vollkommene Reue macht das Sakrament der Beichte nicht überflüssig. Im Gegenteil: Sie schließt den festen Entschluss ein, sobald wie möglich zu beichten. Wer bewusst auf die Beichte verzichten will, zeigt gerade dadurch, dass seine Liebe zu Gott nicht vollkommen ist.
Die vollkommene Reue führt immer zur Beichte und vertieft die Sehnsucht nach diesem Sakrament der Versöhnung.
Ein Heilmittel für unsere Zeit
In unserer Zeit, in der das Sündenbewusstsein schwindet und das Kreuz Christi oft vergessen wird, erinnert uns die vollkommene Reue daran, dass jede Sünde eine Verletzung der Liebe Gottes ist.
Sie führt den Blick zurück auf den gekreuzigten Herrn und lässt uns neu erkennen, welchen Preis Jesus für unsere Erlösung bezahlt hat.
Ein bewährtes Gebet der vollkommenen Reue bringt diese Haltung zum Ausdruck:
„Mein Gott, ich bereue von ganzem Herzen alle meine Sünden und bitte Dich um Vergebung. Nicht so sehr deshalb, weil diese Sünden mir Strafe bringen, sondern weil sie meinen geliebten Erlöser Jesus Christus gekreuzigt und Deine unendliche Güte beleidigt haben. Mit Hilfe Deiner Gnade nehme ich mir fest vor, meine Sünden zu beichten, Buße zu tun und mein Leben zu bessern. Amen.“
Im Heiligsten Herzen Jesu findet jede reuige Seele Heimat
Das Heiligste Herz Jesu bleibt bis heute die unerschöpfliche Quelle der Barmherzigkeit. Die Lehre von der vollkommenen Reue erinnert uns daran, dass Gottes Liebe größer ist als jede Schuld und dass der Weg zurück zum Vater niemals verschlossen ist, solange ein Mensch mit aufrichtigem Herzen zu Christus umkehrt.
Wenn wir auf das Kreuz blicken und uns fragen: Wer leidet? Was leidet Er? Warum leidet Er?, dann führt uns die Antwort mitten hinein in das liebende Herz Jesu. Dort entdecken wir die Hoffnung, die kein Mensch verlieren muss: Solange unser Herz noch schlagen und unsere Seele beten kann: „Jesus, ich liebe Dich. Es tut mir leid, Dich beleidigt zu haben.“, bleibt die Tür Seiner Barmherzigkeit weit geöffnet – denn das Heiligste Herz Jesu hört niemals auf zu lieben.
Unser Herr sprach zur heiligen Margareta Maria Alacoque:
„Siehe dieses Herz, das die Menschen so sehr geliebt hat, dass es nichts geschont hat, bis es sich verzehrt und aufgeopfert hat, um ihnen seine Liebe zu bezeugen; und zum Dank empfange ich von den meisten nur Undankbarkeit…“
Die vollkommene Reue ist unsere Antwort auf diese unendliche Liebe. Nicht die Angst vor der Strafe bewegt das Herz Gottes, sondern die Liebe, die Seine Liebe erwidert. Wer mit aufrichtigem Herzen zu Christus zurückkehrt, findet Sein Heiligstes Herz offen, findet Vergebung und Leben.
Quelle: catholicus.eu