Jedes Jahr lädt uns die Kirche dazu ein, unmittelbar nacheinander das Hochfest des Heiligsten Herzens Jesu und das Gedenken des Unbefleckten Herzens Mariens zu feiern. Diese zeitliche Nähe (dieses Jahr am 12. und 13. Juni) will uns auf die geistliche Einheit aufmerksam machen, die zwischen dem Erlöser und seiner heiligsten Mutter besteht.
Das Herz gilt in der christlichen Tradition als Sinnbild der ganzen Person, ihrer Liebe, ihrer Gesinnung und ihrer innersten Hingabe an Gott. Wenn die Kirche das Herz Jesu verehrt, betrachtet sie die unendliche Liebe des menschgewordenen Gottessohnes zu den Menschen. Wenn sie das Unbefleckte Herz Mariens verehrt, betrachtet sie die vollkommene Antwort eines menschlichen Geschöpfes auf diese göttliche Liebe.
Bereits im Augenblick der Menschwerdung begann die innige Vereinigung der beiden Herzen. Im jungfräulichen Schoß Mariens nahm das ewige Wort unsere menschliche Natur an, und unter ihrem Herzen wurde das menschliche Herz Jesu geformt, das von Anfang an untrennbar mit der göttlichen Person des Sohnes Gottes vereint war. Jede Mutter ist auf besondere Weise mit ihrem Kind verbunden. Maria jedoch empfing und trug den menschgewordenen Sohn Gottes. Darin liegt die Einzigartigkeit ihrer Mutterschaft und die unvergleichliche Nähe ihres Unbefleckten Herzens zum Heiligsten Herzen Jesu.
Das Evangelium zeigt uns Maria immer wieder als jene, die alles in ihrem Herzen bewahrt und betrachtet. Sie lebt ganz aus der Gemeinschaft mit ihrem Sohn. Seine Freude wird ihre Freude, sein Leiden wird ihr Leiden. Diese innige Vereinigung erreicht ihren Höhepunkt auf Golgotha.
Als die Lanze die Seite des gekreuzigten Herrn öffnete und Blut und Wasser hervorströmten, wurde zugleich das Herz der Mutter geistlich durchbohrt. Die Prophezeiung des greisen Simeon erfüllte sich: Ein Schwert drang durch ihre Seele. Deshalb sprechen viele Heilige von einem gemeinsamen Leiden der beiden Herzen. Das Herz Jesu wird leiblich verwundet, das Herz Mariens geistlich; beide aber sind im Erlösungswerk untrennbar vereint.
Schon der heilige Johannes Eudes erkannte diese tiefe Verbindung und förderte die Verehrung der beiden Herzen. Im 17. Jahrhundert offenbarte Christus der heiligen Margareta Maria Alacoque sein Heiligstes Herz und rief zur Sühne und Wiedergutmachung auf. Später bat die Gottesmutter in Fatima um die Verehrung ihres Unbefleckten Herzens und um die Andacht der ersten Samstage. So ergänzen sich beide Andachten auf wunderbare Weise.
Die Kirche hat diese geistliche Wirklichkeit schließlich auch liturgisch sichtbar gemacht, indem sie die beiden Feste unmittelbar aufeinander folgen lässt. Die Gläubigen sollen erkennen, dass die Herzen Jesu und Mariens dieselben Anliegen tragen: die Verherrlichung Gottes und das Heil der Menschen.
In der Volksfrömmigkeit haben die beiden Herzen seit Jahrhunderten einen festen Platz. Familien weihen sich dem Heiligsten Herzen Jesu und dem Unbefleckten Herzen Mariens, stellen ihre Bilder in den Wohnungen auf und erneuern im Gebet ihre Hingabe. Viele Katholiken erfahren in dieser Verehrung Trost, Schutz und Frieden.
Für unsere Zeit bleibt die Botschaft der beiden Herzen von großer Aktualität. Das Herz Jesu offenbart uns die erbarmende Liebe Gottes. Das Herz Mariens zeigt uns die zärtliche Fürsorge einer Mutter, die ihre Kinder zu Christus führen möchte. Wer sich diesen beiden Herzen anvertraut, lernt tiefer zu lieben, treuer zu beten und mutiger Zeugnis für den Glauben abzulegen.
So laden uns die beiden aufeinanderfolgenden Feste jedes Jahr neu ein, in die Schule Jesu und Mariens zu treten. Vereint mit ihren Herzen können wir mithelfen, eine Kultur des Lebens, des Friedens und der christlichen Liebe aufzubauen – zur Ehre Gottes und zum Heil der Seelen.
Heiligstes Herz Jesu, erbarme Dich unser!
Unbeflecktes Herz Mariens, bitte für uns!
Heiliger Josef, Beschützer der Kirche, bitte für uns!
Quelle: inspiriert durch einen Artikel von Joseph Pronechen für National Catholic Register am 13. Juni 2026.