Im Jahr 1509 gerät ein bescheidener Fuhrmann aus Villefranche-de-Rouergue namens Colonges auf einem vom Wasser des Flusses Vénéric durchnässten Feld in Schwierigkeiten, nachdem eine starke Schneeschmelze eingesetzt hat. Trotz aller Anstrengungen und der Hilfe anderer Männer, die auf seine Rufe hin herbeieilen, bleiben sein Wagen und seine Pferde im Schlamm stecken. Am Abend, als das Angelusläuten erklingt, betet er inbrünstig zur Jungfrau Maria. Am Ende seines Gebets sieht er die Muttergottes und die zwölf Apostel um seinen Wagen erscheinen, jeder auf einem der dreizehn Steine stehend, die damals dazu dienten, den Fluss bei Hochwasser zu überqueren. Maria lächelt ihm zu. Der Fuhrmann kann daraufhin sein Gespann leicht befreien, indem er über die Steine fährt. Schon bald entsteht eine Wallfahrt zur Feier dieses Wunders, die seit 1509 nahezu ohne Unterbrechung besteht.
Die Geschichte
Am 19. März 1509 überquert Colonges, ein frommer und rechtschaffener Mann und Fuhrmann aus Villefranche-de-Rouergue (Aveyron, Frankreich), mit seinem kleinen Gespann einen Weg, dessen Boden durch das Wasser des nahegelegenen Flusses aufgeweicht ist. Plötzlich sieht er, wie die Räder seines Wagens tief im Schlamm versinken. Er ist festgefahren und versucht, den schweren Wagen mit Hilfe seiner Pferde herauszuziehen – doch vergeblich. Bauern, die auf einem benachbarten Feld arbeiten und die Szene beobachtet haben, eilen herbei, um ihm zu helfen, aber ohne Erfolg. Als im Glockenturm des Nachbardorfes das Angelusläuten erklingt, fällt Colonges auf die Knie und ruft die Jungfrau Maria an.
In dem Moment, als er sein Gebet beendet, leuchtet plötzlich ein „himmlisches Licht“ vor ihm auf; die Muttergottes erscheint ihm, gefolgt von den zwölf Aposteln. Jeder Apostel steht auf einem der Steine, die bei Hochwasser den Fußgängern das Überqueren des Flusses ermöglichen, und Maria, die ihm zulächelt, steht auf dem letzten dieser Steine. Nach wenigen Augenblicken verschwindet alles.
Als Colonges wieder zu sich kommt, bemerkt er – ohne es erklären zu können –, dass sein Gespann aus dem Morast befreit ist. In Villefranche angekommen, begibt er sich zusammen mit den Bauern, die ihm geholfen haben, vor die Ratsherren der Stadt und berichtet ihnen unter Eid, was er erlebt hat. Bald darauf, überzeugt von der Echtheit der Ereignisse, bitten diese den Bischof von Rodez, Monseigneur François d’Estaing, um eine offizielle Untersuchung.
Dieser befragt die Zeugen; deren vollkommen übereinstimmende Aussagen werden durch die wundersame Heilung eines Taubstummen bestätigt. Nach Abschluss der Untersuchung segnet der Bischof den Grundstein der Kapelle des Heiligtums, das Notre-Dame von den Dreizehn Steinen gewidmet ist. Er lässt die dreizehn Steine, auf denen Maria und die Apostel gestanden haben sollen, in die Mauern des Gebäudes einfügen. Mit dem Bau wird der Maurer Huc Neulat, genannt Gaujot, beauftragt.
Die folgenden Jahre
In den folgenden Jahren strömen Pilger aus dem Rouergue und aus Aquitanien herbei. Im Jahr 1520 versammeln sich Priester und Gläubige aus zweiunddreißig Pfarreien der Region, um die Hilfe von Notre-Dame von den Dreizehn Steinen gegen die Pest zu erflehen. Keine der zweiunddreißig Pfarreien der Diözese Rodez wird von der schrecklichen Krankheit betroffen.
Die Pest
1628 tritt die Pest erneut in der Region auf und richtet unter der Bevölkerung verheerende Schäden an. Die gemeinsamen Gebete im Heiligtum Notre-Dame de Treize-Pierres werden wieder aufgenommen. Am Tag nach dem Fest Mariä Himmelfahrt (16. August) lässt die Intensität der Epidemie nach und verschwindet schließlich.
Im Jahr 1695 wird an diesem Ort eine zweite Kapelle errichtet – genannt Notre-Dame-des-Moissons („Unsere Liebe Frau der Ernten“), weil Tausende von Bauern dort einen Teil ihrer Ernte zu Ehren der Muttergottes niederlegen.
Zur Zeit der Revolution
Während der Revolution wird die Kapelle Notre-Dame de Treize-Pierres als Lager für Futter genutzt. 1854 wird sie wieder geöffnet, und es wird ein Waisenhaus angegliedert, das Ordensleuten anvertraut wird. Die Wallfahrt erlebt daraufhin einen außergewöhnlichen Aufschwung. Am 17. August 1873 sind nahezu 2.500 Pilger anwesend.
Die Kapelle
Die Kapelle Notre-Dame de Treize-Pierres wirkt von außen schlicht, doch im Inneren entdeckt man ein überraschend reiches kulturelles und künstlerisches Erbe. Im Stil der südfranzösischen Gotik erbaut, wurde sie 1951 und 1952 vollständig mit Fresken im byzantinischen Stil vom aus Russland stammenden Maler Nicolaï Greschny († 1985) ausgeschmückt. Das Kirchenschiff zeigt das Leben der Jungfrau Maria: die Verkündigung, die Geburt Christi und die Entschlafung an den Wänden, die Krönung Mariens und die apokalyptische Madonna im Gewölbe sowie im Hintergrund die eindrucksvolle Schlussdarstellung des Jüngsten Gerichts.
Quelle: 1000 raisons de croire
Foto: Jean Yves Juguet