Heute wird in der Kirche in Italien des seligen Papstes Pius IX. gedacht. Er stand der Kirche in einer Zeit großer Unruhe vor und erkannte früh, wohin die Entwicklungen einer liberalen Gesellschaft führen würden.
Frühe Erwartungen und ein liberaler Beginn
Papst Pius IX. (1792–1878), geboren als Giovanni Maria Mastai-Ferretti, stand von 1846 bis zu seinem Tod an der Spitze der römisch-katholischen Kirche. Zu Beginn seines Pontifikats galt er vielen Zeitgenossen als Hoffnungsträger eines moderaten, reformbereiten Kurses. Amnestien für politische Gefangene, Verwaltungsreformen und erste Öffnungen im Kirchenstaat nährten den Eindruck eines „liberalen Papstes“.
Diese Haltung speiste sich weniger aus theologischer Nähe zum Liberalismus als aus sozialer Sensibilität und dem Wunsch nach Befriedung einer politisch aufgewühlten Zeit.
Die Zäsur von 1848
Das Revolutionsjahr 1848 markierte einen tiefen Wendepunkt. Das liberale Bürgertum in Europa forderte seine Rechte ein und Karl Marx rief sogar dazu auf, die gesamte gesellschaftliche Ordnung zu zerstören. In Italien kämpfte Camillo di Cavour, der erste Minister des Königreichs Sardinien, ein gemäßigter Mann und loyaler Katholik, für ein geeintes Italien. Die Ermordung seines Ministers Rossi, der Aufstand in Rom, seine Flucht aus der Stadt und die Ausrufung der Römischen Republik erschütterten Pius IX. nachhaltig. Die Erfahrung, dass liberale und nationale Bewegungen offen gegen Kirche und Papsttum auftraten, veränderte sein Denken grundlegend.
Von da an sah Pius IX. den Liberalismus nicht mehr als Reformkraft, sondern als existentielle Bedrohung von Glauben, kirchlicher Autorität und gesellschaftlicher Ordnung.
Kampf gegen den Modernismus
Nach seiner Rückkehr nach Rom 1850 schlug Pius IX. einen konsequent antimodernistischen Kurs ein. Er wandte sich gegen Rationalismus, Säkularisierung, Religionsfreiheit und die Trennung von Kirche und Staat. Diese Haltung fand ihren Ausdruck in der Enzyklika Quanta Cura (1864) und im Syllabus Errorum, einer Liste von 80 verurteilten „Irrtümern“ der Moderne.
Pius warnte in seiner Enzyklika vor einer aus dem Ruder gelaufenen Freiheit in allen Lebensbereichen, vor aggressiven Versuchen, die Religion aus dem öffentlichen Leben zu verdrängen und sie auf das Kirchengebäude und das private Heim zu verbannen. Er zeigte sich besorgt über den aufkommenden Materialismus, über religiöse Gleichgültigkeit, über einen Liberalismus, der das Recht des Stärkeren predigte, sowie über – durchaus vorausschauend – den Kommunismus als ein „verderbliches System“.
Was die Enzyklika mit der Verdrängung der Kirche aus dem öffentlichen Leben meinte, wurde noch zu Lebzeiten Pius’ deutlich. Zwischen 1872 und 1879 tobte in Deutschland der Kulturkampf, ein besonders rabiater Feldzug Otto von Bismarcks, damals Kanzler des protestantischen Preußens, mit dem Ziel, das gesamte katholische Leben unter staatliche Kontrolle zu bringen. Sein Kampf gegen das „finstere Rom“ richtete großen Schaden an, doch die Kirche ging aus dieser Auseinandersetzung letztlich nur gestärkt hervor.
Auch das Erste Vatikanische Konzil (1869–1870), das unter seiner Führung die päpstliche Unfehlbarkeit definierte, diente der Festigung der geistlichen Autorität des Papsttums in einer als feindlich erfahrenen modernen Welt.
Verlust der weltlichen Macht
Parallel dazu verlor Pius IX. schrittweise den Kirchenstaat an das neu entstehende Königreich Italien. Nach der Einnahme Roms 1870 zog er sich in den Vatikan zurück und betrachtete sich fortan als „Gefangener“. Für ihn bestätigte dieser Machtverlust nicht die Notwendigkeit von Anpassung, sondern den Wert einer starken, unabhängigen Kirche.
Maria Unbefleckte Empfängnis
Nicht zu vergessen ist das Pius IX. am 8. Dezember 1854 in seiner Bulle Ineffabilis Deus (‚Der unaussprechliche Gott‘) das Dogma von der unbefleckten Empfängnis Mariens (Conceptio immaculata) verkündete:
„Zur Ehre der Heiligen und ungeteilten Dreifaltigkeit, zur Zierde und Verherrlichung der jungfräulichen Gottesgebärerin, zur Erhöhung des katholischen Glaubens und zum Wachstum der christlichen Religion, in der Autorität unseres Herrn Jesus Christus, der seligen Apostel Petrus und Paulus und der Unseren erklären, verkünden und bestimmen Wir in Vollmacht unseres Herrn Jesus Christus, der seligen Apostel Petrus und Paulus und in Unserer eigenen: Die Lehre, dass die seligste Jungfrau Maria im ersten Augenblick ihrer Empfängnis durch einzigartiges Gnadengeschenk und Vorrecht des allmächtigen Gottes, im Hinblick auf die Verdienste Christi Jesu, des Erlösers des Menschengeschlechts, von jedem Fehl der Erbsünde rein bewahrt blieb, ist von Gott geoffenbart und deshalb von allen Gläubigen fest und standhaft zu glauben. Wenn sich deshalb jemand, was Gott verhüte, anmaßt, anders zu denken, als es von Uns bestimmt wurde, so soll er klar wissen, dass er durch eigenen Urteilsspruch verurteilt ist, dass er an seinem Glauben Schiffbruch litt und von der Einheit der Kirche abfiel, ferner, dass er sich ohne weiteres die rechtlich festgesetzten Strafen zuzieht, wenn er in Wort oder Schrift oder sonstwie seine Auffassung äußerlich kundzugeben wagt.“
In Lourdes wurde dieses Dogma schon in 1858 durch Unsere Liebe Frau an Bernadette Soubirous bestätigt!
Orientierung für heute
Pius IX. nahm nach dramatischen Erfahrungen eine bewusste Revision seiner Haltung vor. Bis heute bleibt die geistliche Unterscheidung notwendig: zwischen einem Liberalismus, der Gott aus dem Leben des Menschen verdrängt, und jenen Entwicklungen, die dem Menschen wahrhaft dienen und Gott in die Mitte seines Lebens stellen. Der Auftrag der Kirche zur Verkündigung des Evangeliums bleibt unverändert bestehen.
Unsere Liebe Frau von Lourdes, bitte für uns.
Seliger Papst Pius IX., bitte für uns.
Quelle: teils aus KN, 2024 und Wikipedia